Bericht über das Seminar des Fachforums Ökologie der GRÜNEN JUGEND vom 24. bis 26. Juli 2009 in Nürnberg

Freitag

Nach einem leckeren Abendessen begann das Seminar mit einer Vorstellungsrunde der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit dabei war bereits Markus Ganserer1, unser erster Referent. Markus hielt einen Vortrag zum Thema „Waldsterben“. Zunächst einmal erklärte er uns einige Grundlagen. Zum Beispiel, wie ein natürlicher Wald in Mitteleuropa aussehen würde: es wäre ein von Buchen dominierter Mischwald. In Bayern und insgesamt in Deutschland sind aber heutzutage Fichten und Kiefern die häufigsten Baumarten, die zusammen etwa 2/3 aller Bäume ausmachten. Nur noch etwa jeder achte Baum ist eine Buche. Fichten, die häufigste Baumart in Deutschland, haben ihr eigentliches natürliches Verbreitungsgebiet in kälteren Regionen wie Nordeuropa und die Alpen. Fichten und Kiefern wurden in Mitteleuropa angesiedelt, da sie deutlich schneller wachsen als die heimischen Baumarten. Nachdem wir nun also wussten, wie ein natürlicher Wald bei uns aussehen würde, leitete Markus zum Hauptteil seines Vortrags über. „Saurer Regen – Der Wald stirbt“ titelte der SPIEGEL im November 1981. Bis Anfang der 1980er Jahre emittierte die Industrie, allen voran die Kohlekraftwerke, jährlich Millionen von Tonnen Schwefeldioxid, das in der Atmosphäre zu Schwefelsäure umgewandelt wiurde (ist zwar heute auch noch so, aber du hast den Rest auch in der Vergangenheit). Die Schwefelsäure ging als Saurer Regen nieder und schädigte die Bäume. Durch rasche gesetzliche Maßnahmen, wie z. B. der Einführung der Rauchgasentschwefelung bei Kohlekraftwerken, wurden die Schwefeldioxidemissionen innerhalb weniger Jahre sehr stark gesenkt. In der Folge ging der Anteil der geschädigten Bäume zurück. Aber auch noch heute sind viele Bäume geschädigt. Denn neben dem Sauren Regen gibt es weitere Einflüsse die den Wald schädigen: durch die Düngemittel in der Landwirtschaft gelangt auch Stickstoff in die Wälder. Abgase von Kraftfahrzeugen führen zur Bildung von bodennahem Ozon. Die Klimaerwärmung begünstigt die Vermehrung der Borkenkäfer. All diese Einflüsse schaden den Wäldern, auch wenn unterschiedliche Baumarten jeweils unterschiedlich stark betroffen sind. Eine Anpassungsmaßnahme, die all diesen Bedrohungen entgegen wirken könnte, wäre von den vorherrschenden Monokulturen (insbesondere Fichtenmonokulturen) wegzukommen und die Wälder wieder in natürlichere BuchenMischwälder umzubauen.

Samstag

Am Samstag morgen ging es raus in den Wald. Dort zeigte uns Markus (studierte Wald- und Forstwirtschaft und arbeitet zur Zeit bei Christian Magerl, grüner Abgeordneter im Bayerischen Landtag und Vorsitzender des Umweltausschusses) direkt an einzelnen Bäumen die Schädigungen, von denen wir am Vorabend gehört hatten. Außerdem machten wir einige umweltpädagogische Spiele. Im ersten Spiel repräsentierte jede*r Teilnehmer*in ein Tier oder eine Pflanze. Durch Schnüre zwischen den einzelnen Personen wurde repräsentiert, wer wen frisst. Dabei bildete sich keine Nahrungskette, sondern vielmehr ein weit verzweigtes Nahrungsnetz. Und dieses reagierte sehr empfindlich darauf, wenn eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer aus dem Netz genommen wurde, also ein Tier oder eine Pflanze aus dem Ökosystem verschwand.

Im zweiten Spiel gingen wir barfuß durch den Wald und betrachteten gleichzeitig mittels Spiegel die Baumkronen. Dabei waren deutliche Unterschiede in der Bodenbeschaffenheit zu spüren, je nachdem wie dicht die Baumkronen beieinander waren. Im dritten Spiel wurden die Teilnehmer*innen in Zweierpärchen eingeteilt. Jeweils eine*r bekam die Augen verbunden und wurde vom/von der Partner*in zu einem beliebigen Baum geführt. Dieser Baum sollte abgetastet werden, um sich so ein Bild von ihm zu machen – ohne ihn zu sehen. Anschließend wurden die „Blinden“ zurück zum Ausgangspunkt geführt und sollten erraten, welchen Baum sie abgetastet hatten. Den meisten gelang es, den richtigen Baum wiederzufinden. Zum Abschluss maß Markus mit einem Maßband eine Fläche von 28 Metern mal 28 Metern ab und wir verteilten uns am Rand dieser Fläche. Diese riesige Fläche entspricht der Fläche, die jede Minute versiegelt wird. Auf einen ganzen Tag hochgerechnet beträgt der Flächenverlust über 100 Hektar! Da wir etwas früher als geplant von der Exkursion zurück waren, hielt ich spontan noch einen kleinen Vortrag über die Nutzung von Holz zur Energieerzeugung. Dabei berichtete ich, dass es neben der klassischen Nutzung von Holz als Scheitholz (zum Beispiel in Kacheloder Kaminöfen) zu Wärmeerzeugung auch weitere Nutzungsmöglichkeiten gibt: So gibt es Heizungen, die mit Holzhackschnitzeln oder Holzpellets2 arbeiten. Dadurch wird ein automatischer Betrieb möglich: Die Hackschnitzel oder Pellets können über Förderanlagen in den Ofen gebracht werden. Dadurch muss das Holz nicht von Hand eingebracht werden (Vorteil?). Auch können mit Holz Blockheizkraftwerke befeuert werden. Dadurch kann neben Wärme auch Strom mit Holz erzeugt werden. Abends schauten wir den Dokumentarfilm „Home“. Dieser Film handelt allgemein von Umweltzerstörungen. dabei ging es auch um die Bedrohungen für die großen Waldgebiete dieser Erde (tropische, aber auch boreale Wälder). Die Umweltzerstörungen werden dabei in eindrucksvollen Bildern mit dem Lebenstil der Menschen verknüpft. Nach dem Ende des Films entbrannte ein kleine Diskussion darüber, ob dieser Film dazu geeignet sei, für mehr Umweltschutz einzutreten, oder ob er zu manipulativ sei.

Sonntag

Am Sonntag wollten wir den Blick etwas internationaler ausrichten. Dazu hatten wir Martin Glöckle von der Umweltschutzorganisation „Pro Regenwald“ eingeladen. Er hielt uns einen Vortrag mit dem Titel „Illegaler Holzhandel – Auswirkungen und Gegenmaßnahmen“. Zunächst einmal erzähte er uns, dass es schwierig sei, überhaupt zu definieren, was illegaler Holzhandel sei und dass es darüber unterschiedliche Auffassungen gäbe. Dann berichtete uns über die Auswirkungen von illegalem Holzeinschlag und handel: Neben dem Verlust der Artenvielfalt, werden die natürlichen Wasserflüsse gestört. Außerdem trägt der illegale Holzhandel zur Destabilisierung politischer Systeme und zur Finanzierung bewaffneter Konflikte bei. Da die Abholzung von Tropenwäldern zum Klimawandel beiträgt hat der illegale Holzeienschlag sogar internationale Auswirkungen! Die Ausmaße des illegalen Holzhandels belegte Martin anhand einiger Zahlen: Der Anteil des illegal geschlagenen Holzes liegt in Kambodscha bei 90 %, in Peru 80 % und in Indonesien 70 %. Etwa 15 % des nach Deutschland importierten Holzes ist illegal! Um den internationalen Holzhandel zu bekämpfen, gibt es einige internationale Abkommen, wie das „Forest Law Enforcement and Governance (FLEG)“ oder die „Voluntary Partnership Agreements (VPA)“, die aber nur eine begrenzte Wirksamkeit haben. In Deutschland war 2005 ein Urwaldschutzgesetz geplant, das aber letztendlich leider gescheitert ist. Außerdem gibt es einige Zertifikate, allen voran das FSCSiegel (Forest Stewardship Council). Dieses sei laut Martin zwar besser als gar kein Siegel, verfüge aber über relativ weiche Kriterien und werde nicht unabhängig überprüft. Insbesondere zum FSCSiegel gab es nach dem Vortrag einige Nachfragen und Diskussionspunkte. Dem Vortrag folgte eine kleine Abschlussund Auswertungsrunde, bevor sich die Teilnehmer*innen auf den Weg nach Hause machten.

von Lukas Emele
zuerst veröffentlicht auf:
http://blog.gruene-jugend.de/archives/1744
http://blog.lukas-emele.de/2009/08/17/bedrohungen-fuer-den-wald/