Pressemitteilung: “Jugendorganisationen und Bayerischer Flüchtlingsrat fordern die Aufnahme von an den EU-Außengrenzen gestrandeten Flüchtlingen in Bayern”

München, 09. April 2020.

Die Corona-Krise hält Bayern und Deutschland fest im Griff. Intensivstationen füllen sich zunehmend, Bürger*innen sollen sich weitestmöglich zuhause aufhalten und häufig die Hände waschen. Was tun, wenn es keine Intensivstation gibt? Wenn man kein “Zuhause” hat und kein fließendes Wasser, geschweige denn Seife, um sich die Hände zu waschen?

An den Außengrenzen der EU harren mehr als 40.000 Menschen in solchen Verhältnissen aus und es ist nicht vorstellbar, was ihnen dort passieren wird, wenn Corona in den vollkommen überfüllten Flüchtlingslagern auf Lesbos und den anderen griechischen Inseln ausbricht.

Nach neuesten Berichten des Innenministeriums will die deutsche Bundesregierung nächste Woche 50 unbegleitete Minderjährige aus Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln aufnehmen.

Dazu erklären Saskia Weishaupt und Mirjam Körner, Landessprecherinnen der GRÜNEN JUGEND Bayern:

“Das ist ein makaberes Zeichen. Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung sind die Aufnahmekapazitäten für wesentlich mehr Flüchtlinge da. Alleine Bayern hat 4.000 Plätze für die Erstaufnahme von Flüchtenden, an Notfallkapazitäten ist noch mehr vorhanden. Wir fordern die Staatsregierung auf, von der Möglichkeit des Länderaufnahmeprogramms Gebrauch zu machen. Ostern steht vor der Tür und Menschlichkeit im Angesicht der Not kann nur im eigenen Sinne der Christlich-Sozialen Union sein!”

Anna Tanzer, Vorsitzende der Jusos Bayern, bestätigt:

„Die Situation an den Außengrenzen und auch in den Geflüchtetenlagern in Griechenland ist für eine solidarisch europäische Gemeinschaft, wie wir sie uns vorstellen, unerträglich. Auch ohne eine Pandemie ist die EU in der Pflicht zu verhindern,  dass Menschen unter unwürdigen Bedingungen leben. Insbesondere unter solchen, die eine Ausbreitung des Corona Virus erheblich begünstigen. Wir fordern daher die Bundes – und Landesregierungen sowie unsere Kommunen auf, niemanden im Stich zu lassen.”

Auch Anna Westner, Landessprecherin der Linksjugend [‘solid] Bayern, sagt dazu:

Es ist ein schlechter Witz, dass die Bundesregierung 200.000 Urlauber*innen zurückholen und 40.000 Erntehelfer*innen einfliegen kann, aber wir angeblich keine Kapazitäten für mehr als 50 Geflüchtete haben sollen. Viele Bundesländer haben sich zur Aufnahme bereit erklärt, Hotels und Herbergen stehen bundesweit leer. Wir haben Platz – und Menschenwürde und Solidarität verbieten es, Menschen in derartig  katastrophalen Zuständen zurückzulassen! Die Lager müssen sofort vollständig evakuiert werden!

Katharina Grote, Sprecherin des Bayerischen Flüchtlingsrats, äußert sich ebenfalls:

“Sich zur Aufnahme von 50 Minderjährigen aus den griechischen Hotspots zu erklären ist reiner Zynismus angesichts der katastrophalen Bedingungen vor Ort und dem drohenden Kollaps bei Ausbruch des Corona-Virus. Diese Entscheidung, gegen eine Solidarität mit den Menschen in den Lagern und dem EU-Partner Griechenland,nimmt das Sterben von Menschen billigend in Kauf. Dabei wäre jetzt die Möglichkeit gewesen, die Forderung nach ‚Solidarität in Zeiten der Corona-Krise‘ auch über die eigenen Staatsgrenzen hinaus umzusetzen und endlich wieder glaubwürdig zu werden.”

 

Pressekontakte:

Saskia Weishaupt, +49 172 5854712, saskia.weishaupt@gj-bayern.de
Mirjam Körner, +49 177 7573181, mirjam.koerner@gj-bayern.de