Bericht im Rahmen der Bildungswoche von Annelie Säurig (Q11):

Ich bin Schülerin in der elften Jahrgangsstufe des Gymnasiums und erlebe so das bayerische Bildungssystem tagtäglich. Aber ich habe auch eine andere Seite kennen gelernt: Die zehnte Klasse verbrachte ich im Ausland an einer typischen amerikanischen High School: Ziemlich klischeehaft – aber trotzdem könnte sich Deutschland in einigem eine Scheibe abschneiden.

„Graduation“, also den Schulabschluss, erhält man wie bei uns in Bayern nach zwölf Jahren. Doch meiner Meinung nach ist der Weg dorthin bei uns wesentlich steiniger und stressiger.

In den USA können die Schüler*innen ihren Stundenplan weitgehend selbst gestalten. Zwar müssen sie einige Pflichtfächer belegen, aber sie haben etwa die Wahl, in welche Richtung sie sich orientieren wollen (naturwissenschaftlich, sprachlich, praktisch), welchen Schwierigkeitsgrad sie sich selbst zutrauen und genau die Fächer zu wählen, die sie wirklich interessieren. Dies hat einige Vorteile: Zum einen ermöglicht es das Konzept einer Gesamtschule, bei der sich niemand benachteiligt oder zurückgelassen fühlen muss, sondern den Weg gehen kann, der für ihn*sie am besten passt. Auf der anderen Seite haben aber ehrgeizige Schüler*innen immer die Möglichkeit „advanced classes“, also schwierigere Klassen, zu besuchen, die sie auf das Studieren vorbereiten. Somit ist der ständige Druck von oben, wie wir ihn kennen, deutlich geringer. Außerdem denke ich, dass die Lernmotivation viel höher ist, wenn man Klassen besucht, die einen wirklich interessieren. Die Schüler*innen können sich schon früh spezialisieren oder aber auch viel ausprobieren, um herauszufinden, welchen Weg sie nach der Schule gehen möchten. So gibt es beispielsweise auch praktische Fächer wie „Farming“, „Cooking“ oder „Mechanics“, die bestimmt auch im späteren Leben nützlich sind, denn das ist mit Sicherheit eine Lücke in unserem Bildungssystem. Gymnasiasten werden praktisch nur mit Theorie gefüttert. Es gibt wenig Möglichkeit auch die Praxis kennen zu lernen.

Auch die gesamte Schul- und Lernatmoshpäre unterscheidet sich stark zu der in Bayern. Während die Motivation und Unterrichtsbeteiligung mit zunehmendem Alter der Gymnasiasten eher sinkt, herrscht rege Mitarbeit im amerikanischen Unterricht. Und das obwohl oder vielleicht genau weil es auf das Gesagte im Unterricht keine mündlichen Noten gibt. Die Schüler stehen nicht unter Druck und müssen keine Angst haben auf Falsches oder Fragen eine schlechte Note zu bekommen. Noten werden in Form von Hausaufgaben, Extraaufgaben und Tests gesammelt. Die Tests bestehen in vielen Klassen aus Multiple-Choice fragen, das heißt die Lehrer*innen oder besser gesagt die Auswertungsmaschinen der Fragebögen können nur objektiv bewerten.

Er ist ein typisches Klischee – der berühmte „High School Spirit“ – aber so wie ich ihn erlebt habe, scheint er wahr zu sein. Die Schüler*innen sind „stolz“ auf ihre Schule und repräsentieren sie gerne auf Wettkämpfen oder Veranstaltungen. Man möchte seiner Schule alle Ehre machen und in einem solchen Klima – denke ich – lernt es sich doch gleich viel schöner.

Annelie Säurig, Q11