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Datum/Zeit
17/03/2018
10:30 - 16:00

Veranstaltungsort
DESI Stadtteilzentrum


Hier könnt ihr euch für das Seminar des LAK Shalom am 17. März 2018 in Nürnberg anmelden.

Teilnahmebeitrag: 5 € (eine Befreiung ist unkompliziert möglich. Bitte wendet euch an vorstand@gj-bayern.de)

Während des Seminars gibt es eine Mittagspause mit veganer Brotzeit. Eure Fahrtkosten werden zum Bachncard-50-Tarif sowie Bayerntickets und günstigere Regionaltickets komplett übernommen.

Die Location ist barrierefrei. Wenn ihr in eurer Mobilität oder anderweitig eingeschränkt seid und teilnehmen wollt, meldet euch bitte dennoch bei uns, damit wir euch eine möglichst einfach Teilnahme am Seminar ermöglichen können.

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Von Nine-Eleven zum Bataclan

Über den antisemitischen Gehalt islamistischer Terroranschläge und dessen öffentliche Verleugnung

Kaum etwas bringt die Ideologie von Islamisten so auf den Punkt wie jener Satz, mit dem al-Qaida im März 2004 ihre mörderischen Anschläge von Madrid höchstselbst erklärte: »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.« »Ihr«, das ist in den Augen dieser besessenen Muslime der gottlose, verderbte Westen mit seinen selbstbewussten Frauen, seiner selbstbestimmten Sexualität, seinen Amüsiervierteln, seinen Wahlmöglichkeiten, seinen Zweifeln, Widersprüchen und Kompromissen, seiner Individualität und seinem Freiheits- und Gleichheitsversprechen. Als »Hauptstadt der Prostitution und des Lasters« hat der »Islamische Staat«, der nichts anderes kennt als Freudlosigkeit, Unterwerfung und Vernichtung, dann auch die französische Kapitale Paris in seinem Statement zu den Terroranschlägen vom 13. November 2015 bezeichnet. Seine Selbstmordattentäter schlugen gezielt und koordiniert dort zu, wo man sich in Metropolen am Wochenende vergnügt: bei einem Konzert, in einer Bar, in einem Restaurant, im Fußballstadion. Sie wollten mit Macht den Tod dorthin bringen, wo man sich des Lebens in besonderem Maße erfreut.

Dass sie dabei auch das populäre »Bataclan« im als Anschlagsziel auswählten und dort besonders viele Menschen ermordeten, war alles andere als ein Zufall. Denn das Veranstaltungslokal am Boulevard Voltaire wurde bis zum Herbst 2015 von jüdischen Eigentümern geführt. Diese verkauften schließlich nach 40 Jahren den Club, weil sie – wie so viele französische Juden derzeit – nach Israel auswanderten. Regelmäßig richtet das »Bataclan« proisraelische Veranstaltungen aus. Seit vielen Jahren befand sich das Etablissement deshalb im Visier »antizionistischer« Gruppen. Es gab bereits mehrere gewalttätige Übergriffe und 2011 auch die sehr konkrete Drohung einer salafistischen Terrorgruppe: »Wir planen einen Anschlag auf das Bataclan, weil die Eigentümer Juden sind.«

»Der Feind wird nur dann zum absoluten Feind, wenn er als Kollaborateur der Juden und ihrer unmittelbaren Verbündeten identifiziert ist«, schreibt Gerhard Scheit in seinem 2004 erschienenen Buch »Suicide Attack« über die Logik der Selbstmordattentate. Die Täter im »Bataclan« haben die Veranstalter, die an jenem Abend spielende, offensiv israelsolidarische Band »Eagles of Death Metal« und die Konzertgäste samt und sonders als solche absoluten Feinde identifiziert und deshalb nicht gezögert, sie zu exekutieren, solange die Munition reichte. Als schließlich die Polizei eintraf, haben sie ihre Sprengstoffgürtel gezündet. Es war dies die »Fortsetzung des Pogroms mit anderen Mitteln« als »Privatisierung staatlicher Vernichtungsaktionen« (Scheit).

Doch in der Berichterstattung wurde weitgehend ausgeblendet, dass es sich bei dem opferreichsten Angriff von Paris um einen antisemitischen Anschlag handelte. Auch bei anderen islamistischen Attacken – beispielsweise nach Nine-Eleven, den Attentaten Ende November 2008 in Mumbai oder dem Angriff auf den koscheren Pariser Supermarkt im Januar 2015 – spielte es in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle, dass die Täter ihre jeweiligen Ziele nicht zuletzt deshalb auswählten, weil sie sie für »jüdisch« hielten. Wenn es zu Terroranschlägen in Israel kommt, wird hierzulande der Judenhass erst recht nicht thematisiert. Ja, es wird sogar oft so getan, als handle es sich nicht einmal um Terror.

Im Seminar soll analysiert werden, woher diese Leerstelle kommt und weshalb das Offensichtliche immer wieder konsequent unausgesprochen bleibt oder gar geleugnet wird. Zudem soll die Bedeutung des Antisemitismus für den Islamismus beleuchtet und der Frage nachgegangen werden, warum die Empathie gegenüber den Opfern des Terrors stets geringer ausfällt als die Verständnisinnigkeit gegenüber jenen, die diesen Terror exekutieren.

Referent: Alex Feuerherdt

Vortrag und Diskussion: Von Nine-Eleven zum Bataclan. Über den antisemitischen Gehalt islamistischer Terroranschläge und dessen öffentliche Verleugnung (2 Stunden)

Workshop: »Der 11. September und Israel«, in: Matthias Küntzel: Dhijad und Judenhaß (Freiburg 2002, S. 123–149) sowie »Die Rackets der Vernichtung: Zur Logik des Suicide bombing«, in: Gerhard Scheit: Suicide Attack (Freiburg 2004, S. 426–434) (2–3 Stunden)