Warum sind so wenige Frauen in der Politik und wie können wir die Gleichberechtigung in unserem eigenen Verband vorantreiben? Wieso reden bei LJK’s meist die gleichen fünf Männer – und dann immer noch das gleiche? Netzwerke knüpfen – wie und warum? Wie gehe ich mit Sexismus und männlicher Dominanz um?

Diese Fragen haben sich die Frauen der Grünen Jugend Bayern schon oft gestellt. Deswegen haben wir uns am Samstag, den 10.04.2010, zum „Banden bilden“ getroffen!

Wir hatten ein volles Programm: Los ging es mit einer allgemeinen Einführung über die besondere Situation von Frauen in der Politik: Die politische Partizipation von Frauen ist in Deutschland relativ jung, noch nicht mal 1/3 der Abgeordneten im Bundestag sind weiblich, in den Kommunalparlamenten sieht es noch düsterer aus. Die männliche Politikpraxis ist auf allen Ebenen immer noch die Norm.

Anschließend haben wir die Grüne Jugend genauer angeschaut. Zwar ist die Grüne Jugend der Jugendverband mit den meisten Frauen, jedoch sind auch dort erst 40% der Mitglieder weiblich. Die Grüne Jugend Bayern liegt dort sogar noch unter dem Durchschnitt, nämlich bei ca. 35%. Frauenförderung ist zwar Konsens, jedoch ist es fast immer Zusatzaufgabe von den Frauen diese auch aktiv zu betreiben. Derweil ist Frauenförderung eine Gemeinschaftsaufgabe und sollte von allen Mitgliedern ernsthaft angepackt werden. Aus dem Vortrag von Ines Eichmüller entwickeltet sich eine lebhafte und spannende Diskussion über unsere Erfahrungen und Eindrücke, die wir junge Politikerinnen gemacht haben.

Danach haben wir uns mit unseren Strukturen beschäftigt. Swantje Fischer hat Genderstatut, dass die Grüne Jugend Bayern auf dem letzten LJK verabschiedet hat, vorgestellt und uns die rechtlichen Rahmenbedingungen aufgezählt. So können die Frauen auf Landesmitgliederversammlungen z.B. jederzeit eine Frauenversammlung einberufen und die quotierte Redeliste ist jetzt in dem Statut verankert. (Genderstatut)

Nach dem Mittagessen und Matonga ging es mit dem Block „Kommunikationsstrukturen“ weiter. Dora Kirchner von dem mira-Mädchenbildungswerk gab uns einen Einblick in typisch männliches und weibliches Kommunikationsverhalten. Dort haben wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Körpersprache gelegt, denn über 95% der Kommunikation erfolgt nonverbal. Mit verschiedenen Übungen haben wir uns den „Raum und die Zeit“ genommen und gelernt, dass die „Freiheit unter den Achseln liegt“. Durch die Übungen konnte man an sich selber und bei den anderen gut beobachtet, wie die verschiedenen Gesten und Bewegungen wirken. Dieser Teil hat große Aha-Effekte gebracht und uns ein gutes Bewusstsein für unser Auftreten gegeben und gezeigt wie Dominanzstrukturen durch Körpersprache manifestiert werden kann.

Dies haben wir dann gleich im Anschluss praktisch angewendet. Wir haben den LJK vorbereitet, indem wir den Leitantrag wie bei einem LJK diskutiert haben. Denn bei den LJKs ist es immer noch so, dass hauptsächlich Männer bei den Debatten mitmischen, dass soll sich bei dem nächsten LJK in zwei Wochen ändern! Durch die Diskussion haben wir noch viele Schwachpunkte des Leitantrags bemerkt, diese werden wir auf dem Frauenverteiler weiterdiskutieren und dann in der Debatte und per Änderungsanträge einbringen.

Am Schluss haben wir uns noch Gedanken zu unserem Ideal von einem neuen Politikstil gemacht, dies werden wir noch ausführlicher diskutieren und dann veröffentlichen. Auch wird es ein Antrag beim LJK geben, dass vor jedem LJK ein Frauen bilden Banden Seminar stattfinden muss. Denn die Zeit ist nur so geflogen und wir kamen gar nicht dazu alles ausführlich zu besprechen – mit den Themen könnte man eine ganze Seminarwoche füllen!

Dimitra und ich sind sehr glücklich, dass so viel geballte Frauenpower auf einem Fleck versammelt war! 22 Teilnehmerinnen waren in München – eines der bestbesuchten Seminare der Grünen Jugend Bayern! Es war eine ungeheuerliche Energie und Kraft vorhanden und es hat uns alle bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und jeden Tag für Gleichberechtigung kämpfen müssen! Die Banden werden weitergeknüpft und wir freuen uns auf ein baldiges nächstes Treffen und auf den LJK! Matonga!

von Katharina Schulze