Die GRÜNE JUGEND Bayern fordert die Absage des Konzerts des Sängers Capleton auf dem Festival „Chiemsee Reggae Summer 2011“ und wendet sich in einem Offenen Brief an die VeranstalterInnen.

Capleton ruft in mehreren Texten zum Mord an Lesben und Schwulen auf. Wir wollen nicht, dass dieser Sänger mit seiner menschenverachtenden Musik vor 25.000 Menschen am Chiemsee auftritt. Wir lehnen jede Art von Sexismus und Homophobie ab und deshalb wollen wir das Konzert verhindern! Volksverhetzung und Aufrufe zu Straftaten können nicht mit Meinungs-, Kunst- und Religionsfreiheit gerechtfertigt werden!“, erklärt Miriam Werner, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Bayern.

In einem konstruktiven Gespräch des Landesvorstands der GRÜNEN JUGEND Bayern mit VertreterInnen des Festivals wurde eine Selbstverpflichtung vereinbart, die aussagt, dass in Zukunft keine weiteren homophoben KünstlerInnen mehr eingeladen werden. Dennoch soll Capleton in diesem Jahr auftreten dürfen. Deshalb wendet sich die GRÜNE JUGEND Bayern jetzt in einem Offenen Brief an die VeranstalterInnen, in dem zur Ausladung von Capleton aufgefordert wird. Dieser Brief wird unter anderem von grünen Europa-, Landtags- und Bundestagsabgeordneten unterstützt. Außerdem unterzeichneten die Bundesvorsitzenden der Grünen Jugend, der Jusos, der Jungen Liberalen und der Lesben und Schwulen in der Union den Offenen Brief.


„Diese parteiübergreifende Unterstützung sollte den VeranstalterInnen klarmachen, dass eine Bühne für homophobe Hassmusik absolut unerwünscht ist. Aus der Absage des homophoben Sängers Sizzla im letzten Jahr hat das Festival anscheinend nichts gelernt. Das Statement von Capleton gegen Gewalt reicht uns nicht – solange sich der Sänger nicht deutlich von seinen homophoben Texten distanziert, werden wir uns an weiteren Aktionen gegen das geplante Konzert beteiligen“, ergänzt Frederik Schindler, frauen- und genderpolitischer Sprecher der GRÜNEN JUGEND Bayern.

Der offene Brief mit UnterstützerInnenliste kann hier heruntergeladen werden:
Chiemsee Reggae Summer_Offener Brief_Juli 2011.pdf

Hier im Wortlaut:

22. Juli 2011

An die CRP Konzertagentur GmbH
als Veranstalterin des „Chiemsee Reggae Summers“

An Martin Altmann
als Festivalsprecher

Offener Brief gegen das geplante Capleton-Konzert auf dem Chiemsee Reggae Summer 2011

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Altmann,
mit großem Unverständnis und Entsetzen haben wir erfahren, dass der homosexuellenfeindliche Sänger Capleton in diesem Jahr erneut auf dem Chiemsee Reggae Summer auftreten soll. Haben Sie denn aus der Absage des Sizzla-Konzerts im letzten Jahr nichts gelernt?
Wie Sizzla ruft auch Capleton in einigen Texten (z.B. „Hang Dem Up“, „Give Har“ oder „Bun Out Di Chi Chi“) zum Mord an Schwulen und Lesben auf. Mit dem Aufruf „Fire bun batty bwoy“ („Das Feuer soll den Schwulen verbrennen“) zeigt Capleton in aggressiver und brutaler Weise seine homophobe Einstellung. Wir wollen auf dem Chiemsee Reggae Summer keinen Künstler auf der Bühne sehen, der in menschenverachtender Art und Weise gegen die LGBT-Community hetzt.
Auch andere Reggae-Sängerinnen und Reggae-Sänger haben das erkannt. Gentleman äußert sich im laut.de-Interview von April 2010: „Ich finde auch, dass man homophoben Sängern und denen, die solche Hasstiraden verbreiten, keine Plattform geben sollte. […] Ich unterstütze eben keine Homophobie. Auch nicht im Reggae.“ Hans Söllner bezeichnete Capletons Kollegen Sizzla im Freilassinger Anzeiger (Ausgabe vom 31. Mai 2010) als „dummen Rassisten“ und rief dazu auf, dass „die Leute beim Auftritt des Jamaikaners der Bühne den Rücken zukehren und ihm damit zeigen, dass man sich so einfach nicht verhalten kann“. Die Band Irie Revoltés, die ebenfalls auf dem Chiemsee Reggae Summer 2011 auftreten sollen, engagieren sich aktiv gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie.
Volksverhetzung und Aufrufe zu Straftaten können Sie nicht als Meinungsfreiheit schönreden.

Wir fordern Sie auf, das Konzert von Capleton umgehend abzusagen und in Zukunft keine weiteren schwulenfeindlichen KünstlerInnen und Gruppen auf Ihr Festival einzuladen. Es ist unfassbar, dass fast in jedem Jahr homophobe Hassmusik auf dem Chiemsee Reggae Summer gespielt werden soll.

Wir stellen uns que(e)r – wir wollen keine Bühne für Homophobie!

Mit freundlichen Grüßen
Frederik Schindler, frauen- und genderpolitischer Sprecher der GRÜNEN JUGEND Bayern

Dimitra Kostimpas und Miriam Werner, Sprecherinnen der GRÜNEN JUGEND Bayern sowie der gesamte Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Bayern (Florian Wilsch, Kerstin Kessler, Martin Struller, Maximilian Pfeuffer und Xenia Jakubek)

Weitere UnterzeichnerInnen:
Volker Beck, MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer und menschenrechtspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Claudia Stamm, MdL, gleichstellungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Bayern
Barbara Lochbihler, MdEP, ehemalige Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland und menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen im Europäischen Parlament
Lydia Dietrich, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Münchner Stadtrat
Gesine Agena, Bundesvorstandssprecherin der GRÜNEN JUGEND
Sina Doughan, frauen- und genderpolitische Sprecherin der GRÜNEN JUGEND
Yvonne Meyer und Dr. Angela Behring, Sprecherinnen der Bundesarbeitsgemeinschaft Lesbenpolitik von Bündnis 90/Die Grünen
Evelina Muntendorf und Leopold Flasch, KoordinatorInnen des Fachforums „LesBiSchwul“ der GRÜNEN JUGEND
Thomas Niederbühl
, Stadtrat der Rosa Liste München e.V. und Politischer Sprecher des Christopher Street Days München

Sascha Vogt
, Bundesvorsitzender der Jusos in der SPD
Ansgar Dittmar, Bundesvorsitzender des Arbeitskreises Lesben und Schwule in der SPD (Schwusos)
Simon Wendl, Sprecher der Jusos in der SPD Traunstein

Lasse Becker, Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen
Manfred Donack
, Bundesvorsitzender der Liberalen Schwulen und Lesben und Bundesarbeitskreisleiter Schwulen- und Lesbenpolitik der Jungen Liberalen
Stefan Siegle
, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen Bayern

Alexander Vogt, Bundesvorsitzender der LSU Deutschlands – Lesben und Schwule in der Union
Thomas Steins, Stellvertretender Bundesvorsitzender der LSU Deutschlands – Lesben und Schwule in der Union