Anlässlich des Konzerts von T.O.K. am Freitag den 19. 2. 2010 hat das Backstage in München eine Plattform für den Dialog in Sachen Reggae und Homophobie zur Verfügung gestellt und so die inzwischen langwierige Debatte endlich tiefer in die Szene getragen. Es diskutierten Künstler, Manager, politische Aktivisten, Fans und Sozialarbeiter, wie auch die Verantwortlichen im Backstage. Die GRÜNE JUGEND Bayern unterstützt diese Debatte um die jamaikanische Kultur und wird sich auch weiterhin für Diskussionsabende zu diesem Thema einsetzten.

Denn erstens hat die GRÜNE JUGEND Bayern auf ihrem letzten Landesjugendkongress beschlossen, den Dialog voranzutreiben. Wörtlich lautet die Beschlusslage: „Wir wollen für mehr Aufklärung sorgen.“ Zweitens gab es positive Resultate. Insbesondere die Frage, wie Solidarität mit in Jamaika lebenden Lesben und Schwulen wirklich praktiziert werden kann und wie ein friedlicher und toleranter Reggae in Deutschland weiter gelebt werden muss , standen im Mittelpunkt. Gerade hier muss die Politik ansetzen. Denn kulturelle Konflikte, wie dieser lassen sich nicht per Gesetz aus der Welt schaffen. Vielmehr bedarf es des Dialogs und der Aufklärung.

„Die Debatte ist sehr komplex und es gilt zu aller erst Vorurteile und Ängste auf allen Seiten auszuräumen. Es macht mich sehr betroffen, von Gewaltverbrechen an Homosexuellen in Jamaika zu erfahren, “ erklärt Florian Sperk (Sprecher der GRÜNEN JUGEND Bayern) und fährt fort: „Aber es ist nicht der richtige Weg, sich hier in Europa zu isolieren, oder den Dialog auch nur zu erschweren. Wenn wir nicht alle gemeinsam und insbesondere die sehr politische und sensibilisierte Reggaekultur in Deutschland sich für Toleranz und den Dialog stark machen, können wir alle nur verlieren. Nur Aufklärung aller Beteiligter kann zu einer Lösung führen.“


Die Situation könnte schwieriger nicht sein: Obwohl die hiesige Reggaeszene geprägt ist von Toleranz und dem Gefühl der Unity, ist auch hier den Einfluss der Plattenindustrie, der kolonialen Vergangenheit Jamaikas, die geprägt war von der sexuellen Demütigung gerade männlicher Sklaven und eines fundamentalen Christentums, wie es in Jamaika inzwischen tief verwurzelt ist, nicht unerheblich. Auf der anderen Seite, steht der Wunsch auch vieler Fans in Deutschland ihre Musik und ihren Lebensstil weiterhin zu genießen und gerade in ihrer toleranten und friedlichen Haltung anerkannt zu werden, ohne dabei zu beschönigen oder gar weg zu sehen, wenn Ängste vor Homosexualität um sich greifen. Und schließlich gilt es zwischen Künstlern, die sich dem Reggae Compassionate Act (RCA) verpflichte fühlen und deutscher Homosexuellen, die zutiefst bestürzt sind von homophoben Aussagen und sich zur Solidarität mehr als nur verpflichtet fühlen, zu vermitteln.
Eines ist aber entscheidend: Die Politik muss hier auf ruhige Töne setzen, vermitteln und sich nach einer echten Lösung dieses kulturellen Konflikts bemühen. Ängste, wie Homophobie hat noch kein Gesetz aus der Welt geschafft.

„Den Dialog zu suchen, und sich stark zu machen für ein gegenseitiges Verständnis und eine gemeinsame Lösung, das ist grüne Politik wie sie mir aus dem Herzen spricht“, meint Eva Pumpurs (Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Bayern) und fügt hinzu: „Die Debatte ist komplex, aber gestern diskutieren viele Beteiligte auf Augenhöhe und nicht anonym im Netz. Das war ein wichtiger Schritt.“