Am vergangenen Wochenende trafen sich rund 80 junggrüne BayerInnen bei hochsommerlichen Temperaturen in Würzburg, um im Rahmen des Landesjugendkongresses gemeinsam in das Thema Gentechnik, ihre Gefahren und Chancen, einzutauchen. In verschiedenen Seminaren und Workshops stellten sich die jungen Menschen der kontroversen Diskussion nach einer Koexistenz der sog. grünen Gentechnik und der ökologischen Landwirschaft. Schwerpunkte der Debatten bildeten hierbei die Zukunft der LandwirtInnen in Bayern und Deutschland, ein konsequenter VerbraucherInnen und Tierschutz, die verstärkte Risikoforschung, sowie nationale und internationale rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten. Als Ergebnis wurde ein Leitantrag verabschiedet, welcher die 13 Grundforderungen der GRÜNEN JUGEND Bayern enthält. Hierin spricht sich die GRÜNE JUGEND deutlich gegen jede Form von Gentechnik in der Landwirtschaft aus und verlangt stattdessen den Erhalt und Schutz bäuerlicher Traditionen.

Zudem stand in Würzburg die Wahl des Landesvorstandes auf der Tagesordnung. Als neue SprecherInnen der Jugendorganisation sind Matthias Fleischer und Sabine Ponath gewählt worden. Matthias Fleischer trat bereits zum zweiten Mal dieses Amt an. Seine inhaltliche Arbeit orientiert sich bevorzugt an den Bereichen des Tierschutzes, der Ernährungspolitik, als auch am VerbraucherInnenschutz. Das Thema Gentechnik liegt dem 23 jährigen Erlanger deshalb besonders am Herzen: „Mit der Gentechnik in der Landwirtschaft wird den Bäuerinnen und Bauern eines ihrer zentralen Rechte genommen: Das Recht auf freies Saatgut. Der ökologische Landbau, wie wir ihn flächendeckend fordern, ist auf den Erhalt bäuerlicher Traditionen angewiesen. Nur mit diesem Wissen und Können kann eine Landwirschaft betrieben werden, welche das sensible Ökosystem nicht schädigt, sondern in und mit diesem existiert und wirtschaftet. Der Weg zur Gentechnikfreiheit und zum Öko-Landbau liegt für uns allerdings nicht in einem bloßen Verbot oder einer gesetzlichen Drohkulisse. Aufklärung und fundierte Information steht für uns klar im Vordergrund, damit die mündigen LandwirtInnen und VerbraucherInnen die Wahlfreiheit haben, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen und zu sagen: JA zu BIO und NEIN zur Gentechnik!“

Die Frage nach der Vereinbarkeit von „grüner“ Gentechnik und junggrünen Idealen vor allem in Bezug auf ökologischen Landbau und ökologische Lebensweise beschäftigt auch Sabine Ponath: „Unter Artenvielfalt und Biodiversität verstehe ich nicht den absolut riskanten Anbau von Genmais und Ähnlichem! Eine effektive Koexistenz sollte ausschließlich zwischen Flora und Fauna auf der einen Seite und ökologischem Landbau auf der anderen Seite stattfinden. Unausgereifte wissenschaftliche Planspiele, hinter denen größtenteils wirtschaftliche Interessen stehen, haben auf dem freien Feld nichts verloren!“ Die 22 jährige ober­bayerische Pädagogik-Studentin erklärte als ihr Hauptinteresse neben diesem konsequenten Umweltschutz die thematischen Schwerpunkte der Bildung, sowie der Kulturpolitik. Sie betonte, dass in Bayern, wie in ganz Deutschland das soziale Milieu immer noch maßgeblich über den Bildungslebenslauf entscheidet: „Die Grüne Jugend Bayern wird in Zukunft, wie auch früher dafür kämpfen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft ihre Chancen gleichwertig wahrnehmen können. Und auch wenn es so aussieht, als ob Studiengebühren in Bayern bereits eine beschlossene Sache wären, werden wir mit den SchülerInnen, Studierenden, Eltern und Lehrern auf breiter Basis weiter darum kämpfen, dass Hochschulbildung nicht zu einer Konsumware reduziert wird. Kein Gesetz kann gesellschaftlichem Druck standhalten!“

Die 13 Hauptforderungen aus dem Leitantrag der GRÜNEN JUGEND Bayern zur Gentechnik in der Landwirtschaft

(1) Die Entscheidung der LandwirtInnen für gentechnikfreien und ökologischen Landbau bedeutet eine Entscheidung für die Unabhängigkeit der Bäuerinnen und Bauern von Agrarkonzernen, für die Versorgung der BürgerInnen mit gesunden und vollwertigen Nahrungsmitteln, sowie für den respektvollen Umgang zwischen Mensch und Natur.

(2) Wir fordern den Schutz bäuerlicher Traditionen, wie sie vor allem für den ökologischen Landbau unerlässlich sind. Saatfreiheit bedeutet Sicherheit für LandwirtInnen und VerbraucherInnen.

(3) In der Diskussion über die sog. „Grüne Gentechnik“ sehen wir die Möglichkeit, Aufklärung der Öffentlichkeit und vor allem der LandwirtInnen über die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der GM-Landwirtschaft aber auch der bereits existenten Nachteile konventionellen Landbaus zu betreiben.

(4) Der Weg in eine Zukunft des gentechnikfreien Öko-Landbaus liegt nicht nur in der Konsumfreiheit der VerbraucherInnen, sondern vor allem in der Bewahrung der (Grund)Rechte der Bäuerinnen und Bauern. Diese sehen wir durch den Einsatz von GM-Pflanzen grundlegend bedroht. Koexistenz ist nicht realisierbar – Kontamination wäre das Resultat. Den LandwirtInnen wird ihre Wahlfreiheit entzogen, der Ökolandbau in seiner Existenz gefährdet.

(5) Auch wenn wir die Haftungsregelungen nach dem VerursacherInnenprinzip befürworten, sehen wir hierin keine nachhaltige Lösung. Gentechnikfreier Landbau sollte nicht durch den Aufbau einer Drohkulisse erzwungen, sondern mit Hilfe von fundierten Informationen und gesellschaftlichen Aufklärungskampagnen von den LandwirtInnen und VerbraucherInnen gemeinsam gewählt werden. Neben der Schaffung von Sicherheit durch gesetzliche Rahmenbedingungen ist es die Hauptaufgabe der Politik, gesellschaftliche Aufklärungsarbeit zu leisten. Die richtige Entscheidung für gentechnikfreien Ökolandbau wird nicht durch Verbote erreicht, sondern von den mündigen BürgerInnen getroffen.

(6) Um Vertrauen und Sicherheit zu gewährleisten fordern wir, die öffentliche Bekanntmachung aller GVO-Anbauflächen in Europa, sowie die Gentechnik-Kennzeichnungspflicht von Eiern, Milch, Fleisch, Fisch und Honig. Zudem fordern wir, dass Bäuerinnen und Bauern dazu verpflichtet sind, alle Informationen bezüglich gentechnischer Veränderungen ihrer Produkte und ihrer Futtermittel an die VerbraucherInnen weiterzugeben.

(7) Wir fordern die Umstrukturierung der staatlichen Fördermittel im Bereich der Landwirtschaft. Die Bezuschussung von Freisetzungsversuchen in Bayern und Deutschland muss umgehend gestoppt und freigesetzte Pflanzen vernichtet werden.

(8) Wir befürworten die staatliche Risikoforschung im Bereich der Grünen Gentechnik in nach außen abgeriegelten Arealen. Hierbei darf keine finanzielle oder technische Kooperation mit Agrarkonzernen oder anderen Wirtschaftsvertretern eingegangen werden. Wissenschaft muss frei sein, um kritisch sein zu können.

(9) Anbau und Förderung von Monokulturen lehnen wir ab. Stattdessen soll Ökolandbau staatlich gefördert werden.

(10) Grüne Gentechnik stellt keine Lösung des Welthungerproblems dar! Die weltweite Landwirtschaft braucht keine künstlich erhöhten Erträge, sondern soziale Verteilungsgerechtigkeit der existenten Lebensmittelüberschüsse. Wir fordern die internationale Staatengemeinschaft auf, es sich zum Ziel zu setzen, traditionelle, regionale und ökologische Landwirtschaft zu stärken und den Einfluss der Agrarkonzerne und anderer Wirtschaftsvertreter auf die örtlichen landwirtschaftlichen und ökologischen Strukturen zu hemmen.

(11) Für ImkerInnen fordern wir, dass auch hier das Verursacher Prinzip gilt. d.h. Gentechnik-Bauern und -Bäuerinnen bzw. Gentechnikkonzerne müssen die Analysekosten vollständig übernehmen und im Falle von Kontamination Schadensersatz zahlen. Wir fordern staatliche Förderung von BIO-ImkerInnen. Hierin sehen wir die einzig sinnvolle Möglichkeit, ein traditionsreiches Gewerbe, sowie dessen Konkurrenzfähigkeit zu erhalten. Auch bei Honig gilt: ökologische Qualität, statt konventioneller Quantität

(12) Wir fordern ein völkerrechtliches Verbot der Patentierung von Pflanzen, Lebewesen und anderen natürlichen Organismen!

(13) Wir fordern außerdem ein völkerrechtliches Verbot der Terminatortechnologie und ähnlicher, fruchtbarkeitshemmender Gentechniken.