Es war einst an einem wunderschönen Samstag morgen, der Tag war fast schon irreal herrlich, da es tags zuvor und tags darauf wie aus Eimern goss, als sich acht junge Menschen aufmachten, für etwas einzutreten, das ihrer Meinung nach ein so unglaubliches Potential ins sich trägt, dass es am besten allen Menschen sofort erzählt werden müsste.

Nach wochenlanger Vorbereitungszeit und zahlreichen Treffen war die Infoarbeit innerhalb unserer Gruppe abgeschlossen, Fleisch allgemein als Wurzel für klimatisches, moralisches und gesundheitliches Übel anerkannt und der Flyer erstellt. Bei letzterem haben wir uns dafür entschieden auf dezente Provokation zu setzen. Außerdem haben wir natürlich, wie es sich gehört für eine brave Organisation wie der „Grünen Jugend Ansbach“, den geplanten Stand bei der Stadt angemeldet, die sich dafür eine Bearbeitungsgebühr von 25 € genehmigte. Merkt euch den vorherigen Satz, denn er wird später noch sehr wichtig werden…

Treffpunkt war um 9.00 Uhr im Grünen Büro, aus dessen Keller wir uns mit Infostandmaterial eindeckten und dann pünktlich um 10.00 Uhr an der Berliner Mauer, die sich an der Riviera befindet, konnte es losgehen.

Unsere Argumente unterlegten wir mit so manchen, teils revolutionären Veranschaulichungsmitteln:

  • zwei Sonnenschirme aus Urzeiten der Grünen (Sonnenblumenzeit)
  • zwei Tische zur Platzierung unseres Materials
  • vegetarisches Menü (Vorspeise, Hauptgericht, Nachspeise) auf einem DinA4-Blatt
  • Tabelle zur Treibhauseffektwirkung von Fleisch- und Milchkonsum
  • kostenlose vegane Snacks direkt am Infostand
  • ein hoch professioneller Flyer (DinA5, 300g-Recycling-Papier)

Und jetzt der Clou!

Um der ganzen Sache das Sahnehäubchen aufzusetzen kam uns der geniehafte Einfall, zwei Menschen aus unseren Reihen als „Kuh“ und „Metzger“ zu verkleiden und so als lebendiges Beispiel, wie sich die Beziehung „Mensch – Huftier“ gestaltet, am Stand mitzuwirken.

 

Welch verheerende Entscheidung . . .

Denn wir hatten nicht mit dem eisenharten Versammlungsgesetz in Bayern in Verbindung mit politischen Geplänkeln der Staatsanwaltschaft aus Ansbach gerechnet.

Nach einem wunderbaren Zeitungsartikel in der FLZ mit Bild und Statements, sitzt ein Mensch aus der GJ auf seiner Arbeit, während der wegen einer Krankheit sich zu Hause befindende Vater des Beschuldigten einen Anruf von der Kriminalpolizei(crimen(lat.) = Verbrechen) Ansbach erhält. Völlig gelassen nimmt er den Anruf vom Freund und Helfer der Demokratie in Bayern entgegen, ist ja auch nichts außergewöhnliches von der Behörde kontaktiert zu werden, die sich auch um Dinge kümmert wie Vergewaltigung, Diebstahl und Mord.

Es wird mitgeteilt, dass nach der üblichen morgendlichen Zeitungslektüre von der Staatsanwaltschaft der Befehl zur Ermittlung gekommen ist. Befragt wurde bereits der Brezenstand, der sich in unmittelbarer Nähe zum Tatort befunden hat und der habe bereits ausgesagt(also der Mensch der sich darin befand), dass dort in der Tat eine Kuh und ein Metzger zugegen waren. Damit war der Infostand(dieser war ja angemeldet) kein Infostand mehr sondern eine politische Aktionsform, die den Ansbachern wohl irgendwie zu gefährlich war.(Straßentheater)

Jetzt könnte man als normal denkender Mensch natürlich sagen: „Hey, was regen die sich so auf?! Hätte es da nicht gereicht, vom Ordnungsamt angerufen zu werden, das einem mitteilt, dass man das nächste Mal ein Straßentheater zusätzlich anmelden muss?!“

Ich antworte: „NEIN, da muss man hart durchgreifen! Denn anfangs ist es nur ein Straßentheater, aber das nächste Mal wird es dann eine demokratiezersetzende, terroristische Aktion werden, bei der man vor nichts zurückschrecken wird um seine kranken Wertvorstellungen unters Volk zu bringen! Da muss man früh gegensteuern, mit aller Härte, die das Gesetz in Ansbach zu bieten hat!“

Delikat ist auch der Hinweis von der Polizei, dass man das jetzt nur macht, damit man ihnen dann nicht vorwerfen kann, irgendwelche Parteien zu bevorzugen und sie das Verfahren eh einstellen werden. Denn im Dezember vergangen Jahres gab es einen Flashmob auf dem Weihnachtsmarkt, natürlich waren die Linken Schuld (ich weiß aus sicherer Quelle, das das ein Bündnis aller Jugendorganisationen war), der im Rahmen des Bildungsstreikes stattfand und was ebenfalls das Aufsehen der Staatsanwaltschaft erregte. Außerdem solle ich doch bitte „einmal vorbeischauen“ bei dem netten Herren von der Polizei auf einen netten Plausch oder so etwas. Das war mir dann doch zu krass und so habe ich einen Anwalt eingeschaltet, nachdem ich wie wild durch Bayern telefoniert hatte um mir Beistand zu holen.

Mittlerweile wurde das Verfahren eingestellt, nach einem Brief meines engagierten Anwalts(DANKE!!!), war ihnen dann wohl doch zu lächerlich!

Was lernen wir daraus?

Einmal sicherlich, einfach im Voraus immer eine Demo mit 500 Leuten anzumelden, dann ist man auf der sicheren Seite…

Außerdem, weg aus Bayern…

Und Drittens, nicht einschüchtern lassen und weiterhin für das Einstehen, was einem wichtig ist, auch wenn man in Bayern gerne eine Demokratie hätte die sich auf Kreuzchenmachen am Wahltag beschränkt.

Grüße vom Beschuldigten

Artikel von Artur Brückmann