„Herzlich Willkommen in Deutschland, Herr Munoz! Es ist uns eine Ehre, Sie hier bei uns begrüßen zu dürfen. Ihre Anwesenheit lässt bei uns jungen Menschen wieder Hoffnung aufkommen, dass wir noch nicht endgültig verloren sind.“ – mit diesen Worten begrüßen die SprecherInnen der GRÜNE JUGEND BAYERN, Sarah Kreuz und Matthias Fleischer den Bildungskommissar der UN-Menschenrechtskommission, Vernor Munoz. Bereits am Mittwoch war bekannt geworden, dass sich der Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung nach Besuchen in Botswana, Kolumbien und Indonesien nun dem desolaten Bildungssystem in Deutschland widmet.

Sieben Tage will dieser sich vom 13. Februar an Zeit nehmen, um mit Behörden und Bildungsorganisationen zu debattieren und deutsche Bildungseinrichtungen von Kindergärten bis Gymnasien zu inspizieren. Matthias Fleischer von der GJB ist jedoch der Meinung, dass sieben Tage keinesfalls ausreichen, um die Bildungsministerien der Länder die Wirklichkeit vor Augen zu führen: „Nach Jahren der scheuklappenartigen Arroganz vor längst überfälligen Reformen des sozial ungerechten dreistufigen Schulsystems sind es nun die Politiker Schneider, Schavan und Kollegen, welche die Schulbank drücken müssen – und ausgiebiges Nachsitzen ist mehr als angebracht. Nach weltweitem Einsatz bin ich von Herrn Munoz’ Fähigkeiten durchaus überzeugt. Hoffen wir, dass der UN-Beauftragte sich nicht seine pädagogischen Zähne an den äußerst schwer erziehbaren Bildungsministern ausbeißt.“

Das Bildungswerk der Vereinten Nationen hatte bereits nach dem ausgesprochen schlechten Abschneiden deutscher Schüler bei den PISA Studien 2000 und 2003 den führenden Bildungspolitikern in Deutschland schwere Versäumnisse vorgeworfen und zu grundlegenden Reformen der veralteten Bildungsstrukturen aufgerufen. „Wir sind bereits jetzt weit hinter den internationalen Durchschnitt zurück gefallen. Die Kluft zwischen Kindern und Jugendlichen mit hoher schulischer Bildung und denen, die auf Grund des übertriebenen Leistungsdrucks in deutschen Schulen auf der Strecke bleiben wird von Jahr zu Jahr größer. Bringt man diese Entwicklung zusätzlich in Relation zu der sozialen Herkunft der jungen Menschen zeichnet sich ein erschreckendes Bild für Deutschland ab. Hinzu kommt, dass offensichtlich die Chancen verkannt werden, Migrantenkinder durch Bildung stärker zu integrieren und zu fördern. Stattdessen herrscht Diskriminierung und Abschiebung aufs Abstellgleis der Bildung!“

Zudem erwünscht sich Sarah Kreuz, dass Herr Munoz einen besonderes Augenmerk auf Bayern wirft: „Bayern rühmt sich stets damit ein herausragendes Bildungssystem zu haben. Aber in Wahrheit handelt sich hierbei – mit einem AbiturientInnendurchschnitt von gerade einmal 20% – um das reine Heranzüchten von Bildungseliten. Die soziale Schere geht immer weiter auf und ein Ende der Entwicklung ist unter der bayerischen Staatsregierung nicht absehbar.“