Am Samstag begannen 50 Asylbewerber*innen aus ganz Bayern einen Marsch von Würzburg nach Berlin. Nach den Protesten, die im März in der Würzburger Innenstadt begannen, wollen sie erneut gegen das System der Gemeinschaftsunterkünfte sowie für das Recht auf Arbeit und Selbstversorgung protestieren. Zusätzlich möchten sie damit auf die Missstände der bayerischen Flüchtlingspolitik aufmerksam machen. Mit diesem Protestmarsch verstoßen sie ganz bewusst gegen die Residenzpflicht, die ihre Bewegungsfreiheit auf Landkreise oder Bezirke einschränkt.

Die Grüne Jugend Bayern unterstützt den Protest der Flüchtlinge, die auf ihre Situation aufmerksam machen und die Defizite der bayerischen Flüchtlingspolitik aufzeigen wollen. Hierzu erklärt Florian Wilsch, Sprecher der Grünen Jugend Bayern:

„Auch wir fordern die Abschaffung der Residenzpflicht, die Unterbringung asylsuchender Menschen in angemessenen Wohnungen und eine finanzielle Unterstützung, die den menschlichen Grundbedürfnissen gerecht wird. Wir verurteilen Abschiebungen und die Bedrohungen, die daraus für alle Flüchtlinge resultieren. Wir wollen, dass Flüchtlinge die Möglichkeit bekommen, sich frei zu bewegen und uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Alle Menschen sollen, unabhängig von ihrer Herkunft, das Recht auf eine menschenwürdige Existenzgrundlage – die die Möglichkeit bietet, selbstbestimmt und mündig zu dort zu leben, wo sie wollen – haben“

„Ein Mensch ist ein Mensch – egal auf welchen Fleck der Erde und in welche gesellschaftlichen Verhältnisse er hineingeboren ist.“, ergänzt Regina Prade, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. „Die Rechte, die einem Lebewesen durch dieses Menschsein zukommen, müssen allgegenwärtig, allgemeingültig und unumstößlich gelten. Menschen, die in ihren Herkunftsländern verfolgt werden, denen mit Folter oder gar dem Tod gedroht wird, die keinerlei Perspektiven für sich und ihre Familien sehen oder die schlichtweg nichts zu essen haben, werden in unserer scheinbar schönen, heilen Welt in Lager gesteckt. Dort warten sie Wochen oder auch Jahre auf das Ergebnis ihres Asylantrags, welcher ihr Schicksal bestimmt.

Sie leben unter miserablen hygienischen wie medizinischen Bedingungen und haben keine Möglichkeit zu Kontakt zur Außenwelt. Ein minimales Taschengeld und Esspakete mit immer denselben, teilweise ungenießbaren Nahrungsmitteln gehören zum Alltag. Die Möglichkeit eine Arbeitsstelle zu finden, eine der wenigen Chancen ein Bleiberecht zu erwirken, bleibt ihnen hingegen in der Praxis verwehrt – der Lagerzwang verbietet es Flüchtlingen, das Gelände zu verlassen. Deutschunterricht und therapeutische und sozialpädagogische Betreuung, die viele der leiderfahrenen, oft traumatisierten Flüchtlinge dringend nötig haben, stehen nur selten zur Verfügung; vielmehr leiden eingesperrten Flüchtlinge vielerorts unter Schikanen und Repression. Die Absicht dieser menschenverachtenden Maßnahmen, die ‚Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland [zu] fördern‘ (Asyldurchführungsverordnung), darf nicht länger Ziel der Flüchtlingspolitik in Bayern sein.“