Mensch, sind wir vom Glück verfolgt! Es ist Ende Juni, das erste richtig geniale Wochenende (vom Wetter her) und wir haben Sommerklausur. Also, besser gesagt, die GRÜNE JUGEND Schwaben begeht feierlich das Ritual der Sommerklausur, und zwar in Dinkelscherben, einem Dorf mit Zuganbindung nach München nahe Augsburg. Also, und das kann mensch auch schon am Anfang des Artikels sagen, ohne etwas vorwegzunehmen: Es hat Spaß gemacht. Eben weil das Wetter gepasst hat. Und sonst eigentlich auch alles.

Das „sonst alles“ waren in diesem Falle drei Workshops, Lagerfeuer, Mitgliederversammlung und Fußball. Wichtigkeit in dieser Reihenfolge. Zu ersterem: Themen waren Asylpolitik (als Hauptthema) und der Klimawandel (als Nebenthema), doch fangen wir von vorne an.

Also: Freitagabend bis Spätnachmittag Anreise, Kennenlernen, Koffer auspacken, Grillen, Lagerfeuer. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.
Samstag Vormittag dann Frühstück, Aufwachen und erste thematische Arbeit. Diese in einem Workshop mit Albert Riedelsheimer, jahrelang erfahren in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, außerdem grüner Kreisvorsitzender im Donau-Ries. Der erzählt in einem sehr offen, sehr gesprächig gehaltenen Workshop von seiner Arbeit und dem, was sie so schwierig macht. In etwa das Schätzen des Alters eines jungen Flüchtlings. Dieses übernimmt nämlich ein_e Beamte_r, und die/der entscheidet nur nach seinem Augenmaß. Also auf vollkommen unsicherer Basis. Dabei hat gerade diese Entscheidung schwerwiegendste Folgen für das weitere Leben eines Flüchtlings, nach ihr wird beschlossen, ob mensch den besonderen Schutz vor Abschiebung bekommt, der einer_m Jugendlichen zusteht. Heißt so ungefähr: Wer zu jung geschätzt wird, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit abgeschoben. Auch wenn sie/er vielleicht nur nicht nachweisen kann, dass sie/er noch zu jung ist. Und das ist schon ein bisschen grausam. Gerade in einem Staat, der sich selber „Antidiskriminierung“ auf die Fahnen geschrieben hat. Nach diesem doch sehr nachdenklich stimmenden Workshop dann Mittagessen (eine Kreuzung aus italienischer und indischer Küche, schmackhaft), kurze Pause, Workshop Numero zwo. Ein Einstieg in die Problematik des Klimawandels, gehalten von Florian Sperk, lange Jahre aktiv bei der GRÜNEN JUGEND. Sehr anschaulich wird dargestellt, was der Klimawandel für Folgen haben wird und was wir noch dagegen tun können. Von schlechten Lösungen (Desertec, CCS, Atomkraft) hin zu ganz guten (erneuerbare Energien, Lebensstil ändern), wieder sehr offen, diesmal aber mit Laptop und Präsentation. Allerdings draußen, im Schatten einer Esche, im Gras. War genau das, als das es auch geplant war: Eine Möglichkeit, fundierte Kenntnisse über die Problematik zu erlangen, und zwar nicht für Leute, die eh schon Bescheid wissen, sondern für solche, die sich bisher noch nicht so eingehend damit befasst haben. Darauf folgt direkt die einstündige Mitgliederversammlung, bei der ein Antrag zum Thema „Asylpolitik“ beschlossen wurde, der von der GJ Schwaben auch zum nächsten Landesjugendkongress der GJ Bayern eingereicht werden wird. Abendgestaltung wie am vorherigen Tag, nur mit stärkerem Fokus auf Fußball (Ghana gewinnt, juhuuuuu!) und längerem Aufbleiben. Tag drei beginnt dann für den Autor dieses Artikels (viel) (zu) früh, um sieben Uhr vormittags nämlich, mit dem albernen Wecksignal des Handys. Er muss jetzt nämlich erste Teilnehmer_innen verabschieden, einen Teilnehmer gar wecken, damit er rechtzeitig zu seinem zug kommt. Abschiedsumarmungen, weitermachen. Eine Breze essen, dann Kaffee, dann wach. Der dritte und letzte Workshop wird von Gisela von Maltitz, einer Veteranin des Kampfes für die Rechte von Flüchtlingen, der Gründerin und Vorsitzenden des Vereins exilio e.V., durchgeführt, die verspätet sich aber (bzw. wird durch die Deutsche Bahn verspätet), also wird erst mal aufgeräumt, ausgetrunken, gepackt, schließlich ist die Referentin endlich da, und ein wirklich toller Workshop nimmt seinen Lauf. Es werden die Gängelungsmethoden des Ausländerbehörden aufgezeigt, der Irrsinn der „Residenzpflicht“ (Bewohner_innen von Flüchtlingslagern dürfen ihren Landkreis nur in Ausnahmefällen und gegen die Zahlung von 10€ verlassen), die Schwierigkeiten der Unterbringung in Lagern (wer in etwa bei seinem Bruder oder anderen Verwandten unterkommen will, darf das als Flüchtling nicht) und die skandalöse Kriminalisierung von Flüchtlingen (wer zweimal gegen die „Residenzpflicht“ verstößt, bekommt eine Geldstrafe in Tagessätzen, wie sie auch bei anderen, „echten“ Verbrechen verhängt wird, obwohl er doch im Grunde nur das Grundrecht der Bewegungsfreiheit in Anspruch nimmt) kritisiert. Hat allen gefallen. Dann machten wir Schluss. Gingen auseinander. Fußball gucken.

von Jakob Wunderwald