Am Freitag, 30.3., kündigten die Veranstalterinnen und Veranstalter des Festivals Chiemsee Reggae Summer an, dass der Künstler „Beenie Man“ auftreten werde. Beenie Man, bürgerlich Anthony Moses Davis, ruft in einigen Texten zur Ermordung von Schwulen und Lesben auf.

Der Sänger hat zwar den Reggae Compassionate Act unterschrieben, in dem er sich im Jahr 2007 dazu verpflichtet hat, keine homophoben Texte mehr für seine Songs zu verwenden, sich bei öffentlichen Auftritten jedoch bereits mehrfach von dieser Stellungnahme distanziert. So hat er 2009 auf einem Konzert in Kampala, Uganda seinen Song „Mi Nah Wallah“ aufgeführt, in dem er beschreibt, allen schwulen Männern die Kehle durchzuschneiden. Dieser Auftritt geschah nach der Unterschrift des „Reggae Compassionate Act II“. Besonders fatal an diesem Auftritt war die zeitliche Nähe zu einem Gesetzesänderungsvorhaben, dass lebenslange Freiheits- und Todesstrafe für Homosexualität vorsah.

Dazu erklärt Florian Wilsch, Sprecher der Grünen Jugend Bayern: „Es ist unfassbar, dass das unter Jugendlichen sehr beliebte Chiemsee Reggae Summer Festival dieses Jahr erneut einem homophoben Künstler eine Bühne bietet. Homophobie ist ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem, dem sich auch ein Festival wie das Chiemsee Reggae Summer stellen muss. Wir erwarten eine Absage des Auftritts von Beenie Man und weitere Maßnahmen, um schwulenfeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken.“

„Empörend ist vor allen Dingen, dass der Auftritt eines homophoben Künstlers auf diesem Festival nichts neues ist“, ergänzt Miriam Werner, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern. „Immer wieder laden die Veranstalterinnen und Veranstalter trotz lautstarker Proteste homophobe Künstler ein – zuletzt Capleton und Sizzla. Obwohl sich die Veranstalterinnen und Veranstalter im letzten Jahr nach anhaltenden Protesten und Gesprächen mit der Grünen Jugend zu einer Selbstverpflichtung durchgerungen haben, in Zukunft Künstler auch dann nicht einzuladen, wenn diese den Reggae Compassionate Act zwar unterschrieben haben, aber weiterhin homophobe Songtexte verbreiten, wurde nun Beenie Man eingeladen. Das Chiemsee Reggae Summer hält aus unbegreiflichen Gründen am Motto ‚Same procedure as every year‘ fest und disqualifiziert sich dadurch selbst.“

Frederik Schindler, frauen- und genderpolitischer Sprecher der Grünen Jugend Bayern ergänzt: „Gerade in Jamaica ist die Lage für homo-, bi- und transsexuelle Menschen besonders schlimm. Neben Hetzjagden und drakonischen Gesetzen kommt es oft sogar zu tödlichen Übergriffen. Sängerinnen und Sänger, die sogenannte Battyman-Tunes veröffentlichen, schüren diese Gewalt und sind daher mitverantwortlich. Wir wollen nicht, dass solche Künstler auftreten können und werden uns aktiv an den Protesten gegen Homophobie und Sexismus auf dem Festival beteiligen. Falls Beenie Man nicht ausgeladen wird, werden wir zum Boykott der Veranstaltung aufrufen!“

 

Pressemitteilung und offener Brief zum Auftritt von Capleton-Autritt im Jahr 2011: https://www.gj-bayern.de/pressemitteilungen/items/gruene-jugend-bayern-fordert-absage-des-capleton-konzerts-auf-dem-chiemsee-reggae-summer-2011.html

Berichterstattung über GRÜNE JUGEND-Aktivitäten im letzten Jahr: https://www.gj-bayern.de/berichte/items/pressespiegel-juli-2011.html