Die Mitgliederzeitung auf Bundesebene SPUNK hat dieses mal den Schwerpunkt „Stadt [&] Land“ und hat zwei GRÜNE JUGEND Ortsgruppen portraitiert. Für das Beispiel Stadt wurde die GRÜNE JUGEND München ausgewählt. Lisa Bendik (SPUNK-Redakteurin) interviewt Jana Kehl, Vorsitzende der GJ München.

Portrait zweier GJ-Ortsgruppen: Stadt

„Wir sind immer im Zentrum“

Interview mit Jana Kehl von der GJ München

SPUNK: Womit beschäftigt ihr euch gerade in München?

Heute Abend haben wir Mitgliederversammlung, da werden wir den Atomausstiegs-Beschluss des Parteitags der Grünen vom letzten Wochenende diskutieren. Im Juli ist unser Themenmonat Drogenpolitik, da machen wir zum Beispiel eine Podiumsdiskussion über selbstbestimmten Konsum, Veranstaltungen zu Drogenkriegen, Prävention, der Situation in München und so weiter. Letztens hatten wir auch ein Rhetorik-Seminar. Und ganz wichtig ist noch, dass nächste Woche entschieden wird, ob die Olympischen Winterspiele nach München kommen. Da gibt es eine Live-Übertragung am Marienplatz, wo wir hingehen und hoffen werden, dass die Entscheidung in unserem Sinne ausfällt – dagegen.

Das klingt ja nach einer ganzen Menge. Wie häufig trefft ihr euch?

Also, wir haben durchschnittlich so drei bis vier Veranstaltungen die Woche, und dann kommen noch Veranstaltungen von Bündnis 90/ Die Grünen dazu und externe Sachen wie Demos, auf die wir gemeinsam gehen. Die Struktur ist so: Wir haben einmal im Monat Mitgliederversammlung, das ist das höchste beschlussfassende Gremium, und einmal im Monat Stammtisch. Dann gibt es noch 7 Arbeitskreise, die sich etwa einmal monatlich treffen sollen. Ziemlich neu sind die Arbeitskreise Stadtentwicklung und Antifaschismus. Unser Arbeitskreis Medien kümmert sich um die Homepage und macht die Mitgliederzeitung.

Moment mal. Ihr habt eine eigene Mitgliederzeitung nur für München?

Ja, das klappt wunderbar, da gibt es eine große Begeisterung. Die Zeitung beschäftigt sich immer mit dem Thema des Themenmonats und kommt immer vor dem Themenmonat heraus. Das läuft sehr gut, seit wir dieses Konzept haben.

Wie viele Leute seid ihr denn?

Es gibt eine Bandbreite von 50, 60 Leuten, die regelmäßig kommen, die man immer mal wieder sieht und auch mit Namen kennt. Richtig aktiv sind ungefähr 20, angemeldet sind jetzt etwa 300. München ist deutschlandweit der größte Kreisverband der GRÜNEN JUGEND. Leider muss ich sagen: Wir sind eine sehr homogene Gruppe, viele Gymnasiast_innen und Studierende, wenige, die arbeiten oder eine Ausbildung machen. Viele sind 18 bis 20 Jahre alt, das jüngste Mitglied ist 14, die ältesten sind 25, 26.

Was ist schön daran, ausgerechnet in München bei der GRÜNEN JUGEND zu sein – im Vergleich zu anderen Orten?

Wir sitzen direkt an der Quelle. München ist Landeshauptstadt, wir haben eine große Kapazität, Leute zu mobilisieren, wir sind immer im Zentrum des Geschehens. Auf Grund der Unis gibt es hier auch viele junge Leute. Und wir haben durch die vielen Mitglieder eine wunderbare finanzielle Lage. Andere GJ-Gruppen müssen um jede Fahne kämpfen – verglichen damit leben wir im Luxus. In München gibt es schon seit 21 Jahren eine rot-grüne Regierung. Wir sind also die Jugendpartei einer Regierungspartei. Das ist auch ein Vorteil.

Was sind die Dinge, die eure Arbeit in München erschweren?

Für mich persönlich gesprochen: München ist sehr realpolitisch, das merkt man auch an der GJ, da führt man anstrengende Grundsatzdiskussionen. Doch es macht auch viel Spaß und ist sehr erfüllend, wenn man was verändern kann – in Bezug auf die Denkweise einzelner Leute oder ganz konkret in der Stadt.

Unsere Größe kann ein Nachteil sein, weil es nicht so persönlich ist mit 60 Leuten. Und es gibt so viele verschiedene Themen, immer ist so viel los, da kann es passieren, dass das persönliche Lieblingsthema untergeht. Aber insgesamt überwiegen schon die Vorteile.

Wenn München ein Tier wäre, welches passt am besten?

Eine stolze, etwas arrogante Giraffe, die sehr staksig läuft. München ist bekannt für viele Grünflächen, aber auch für hohe Mietpreise und eine schwindende Subkultur. Diese Stadt ist groß, reich, aufgeräumt, sauber und spießig.

Interview: Lisa Bendiek

http://blog.gruene-jugend.de/archives/3603

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