Auf der letzten Landesversammlung wurde beschlossen ein Seminar durchzuführen, welches zum Ziel hatte zu überprüfen, ob in der GJ Bayern ein Gender Mainstreaming-Prozess gestartet werden kann/soll. Das Seminar hat jetzt am 12.3. in München stattgefunden. Wir konnten dafür eine mit Friedel Schreyögg (http://www.friedel-schreyoegg.de/) eine hochkarätige Referentin gewinnen. Sie war die erste Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München und übte diese Tätigkeit über 20 Jahre lang aus und konnte somit viel Erfahrung in unterschiedlichen Themenfeldern von Gleichstellung bzw. Gender Mainstreaming einbringen.

Zunächt stellte uns Frau Schreyögg mittels einer Präsentation dar, was es mit Gender Mainstreaming auf sich hat:

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Die ganze Präsentation findet sich hier:
GM-Grüne-Jugend_Vortrag_Friedel_Schreyögg.pdf (61 KB)

Frau Schreyögg brachte uns in anschaulichen Beispielen immer wieder nahe, wie bestimmte Dinge umgesetzt werden könnten oder wies uns auf Probleme bei der Messung oder Umsetzung von Gender Mainstreaming hin. Dabei ging sie auch kritisch mit Politikhandeln im Allgemeinem um. Wenn ein Spielplatz gebaut wird und niemand den nachher nutzt, dann sind nicht die Personen schuld, die dort nicht spielen, sondern die PolitikerInnen müssen sich fragen lassen, warum sie an den Bedürfnissen vorbei Geld investiert haben – ein Wir-haben-doch-was-gemacht reicht dabei nicht. Gender Mainstreaming und insbesondere Gender Bugeting hilft auch Transparenz in Abläufe, Erfolge und Misserfolge darzustellen und führt im besten Falle zur Versachlichung. Deshalb scheuen auch viele PolitikerInnen sich davor es umzusetzen, denn es nimmt etwas die politische Deutungshoheit von Erfolgen. Die messbaren Kriterien sprechen für sich.

Nach der Mittagspause, wo man sich nochmal austauschen konnten, wurde im nächsten Schritt von den TeilnehmerInnen herausgearbeitet, wo aktuell in der GJ Bayern offensichtliche Gender-Probleme bestehen. Die Kartenabfrage ergab drei größere Komplexe: Repräsentanz, Verhalten, Themen

In einem weiteren Schritt wurde dann anhand der drei Problem-Komplexe weitergearbeitet:

1. Ziel: Ideen über mögliche Ziele
2. Kriterien, die benötigt werden, um das Ziel bzw. Veränderungen zu messen
3. Wer? welche AkteurInnen dabei beteiligt wären (wer müsste was messen?/umsetzen?)
4. Ansätze: was könnten Ansatzpunkte sein, um Verbesserungen herbei zu führen?

Dabei stellte sich heraus, wie schwierig es ist bestimmte Dinge zu messen. Soll bspw. aggressives Redeverhalten laufend durch die Mitglieder bewertet werden? Sollte man die Redezeit nach Geschlechtern getrennt stoppen? Wer würde sich dafür bereit erklären? Was sind eigentlich die Ziele (Repräsentanz, Aktivität, Qualität)?

Aufgrund der eigenen Erfahrungen war allen SeminarteilnehmerInnen klar, dass ein Gender Mainstreaming-Prozess, der das gesamte Arbeiten im Verband betreffen würde, kaum leistbar ist, sondern vielmehr mehrere Maßnahmen weiterverfolgt werden sollten bzw. durch Sensibilisierung die Arbeit laufend evaluiert werden sollte. Dabei sollten verstärkt messbare Kriterien angewandt werden.

Die ersten Ansätze aus dem Seminar waren jedoch ganz brauchbar und wurden dokumentiert, so dass sie der/dem zukünftigen Frauen- und Genderpolitischen SprecherIn im Landesvorstand zur Verfügung gestellt werden sollen. Die SeminarteilnehmerInnen empfehlen dem nächsten Landesvorstand frühzeitig an einem Seminar oder einer Schulung zu Gender (Mainstreaming) teilzunehmen, damit in der laufenden Arbeit über das Jahr hinweg der Gender Mainstreaming-Gedanke in die Arbeit einfließen kann.

In der Feedback-Runde wurde Friedel Schreyögg als Referentin gelobt und es gab durchweg positives Feedback über die Organisation – auch wenn ein paar TeilnehmerInnen mit dem Ergebnis schon gerechnet hatten.

[Update – 20.04.2011: Inzwischen ist die Dokumentation fertig vom Seminar fertig und kann runtergeladen werden: Dokumentation (300KB, pdf)]

von Stephan Clemens

P.S.: Vielen Dank nochmal an Sina Doughan für die Organisation der Referentin und Dimitra Kostimpas für Organisation mit Räumlichkeiten und Equipment.