Die GRÜNE JUGEND Bayern organisierte vom 28.6.-2.7. ein Shadowing-Programm. Dabei haben junge Menschen die Möglichkeit eine Woche lang Shadow (Schatten) eines Bundestagsabgeordneten in Berlin zu sein, nehmen an: AG-, AK- und Fraktionssitzungen teil, erleben den Büroalltag, gehen mit den MdBs zu Treffen mit VerbandsvertreterInnen, Sommerfesten …

MONTAG

Bürobesprechungen, Termine der Abgeordneten [&] Abendessen in Prenzlberg

9.30 Uhr Bürobesprechung: Man diskutiert, was gerade in der Fraktion bzw. Ausschüssen ansteht. welchen Themen man noch Anfragen stellen könnte. Man geht die Termine der Woche durch: Welche stehen an? Welche werden wahrgenommen? Man klärt ab welche MitarbeiterInnen zu welchen Terminen dabei sind und Vergangene Termine nachbesprochen.

Diese Woche ist durch die Bundesversammlung einiges durcheinander geworfen worden und einige Uhrzeiten stehen daher auch noch nicht ganz fest. Die Besprechung ist (zumindest diese Woche) in relativ lockerer Atmosphäre. Die BundespräsidentInnenwahl nimmt der Woche etwas den Stress, berichten die MitarbeiterInnen. Einige Abkürzungen sind mit noch nicht ganz vertraut und auch FraSi, AK-Sitzung, etc. sind im Parteialltag eher ungewohnt, aber ich kann mir zumindest denken, was dahinter steht.

Der Tagesablauf sieht für Toni folgendermaßen aus:
09.30-11.00 Uhr Bürobesprechung
12.30-13.30 Uhr Besprechung zum Thema Maut
13.30-15.00 Uhr AK2-Vorbesprechung
14.30-17.30 Uhr „Update Hofreiter“ (Besprechung mit allen MitarbeiterInnen – auch denen aus den Regionalbüros)
17.00-19.00 Uhr PG Energie und Klima
19.30-22.00 Uhr Parlamentarische Linke

Ausführlicher im Bericht: Shadowing im Bundestag: 1. Tag bei Toni Hofreiter Stephan

Montagnachmittag zeigte Jonas uns die verschiedenen Gebäude, Katakomben und geheimen Verbindungen des Gesamtkomplex Bundestag, schließlich müssen alle 612 Abgeordnete plus Mitarbeiter ja irgendwo untergebracht werden. Nach einer kurzen Verschnaufpause stand schon der nächste Termin an; ein Interview mit dem Tagesspiegel, der von Agnes wissen wollte, wie sie ihre Position als Frau in der Politik wahrnimmt. Und schon ging es weiter ins Jakob-Kaiser-Haus. Da „meine“ Abgeordnete Schriftführerin ist, begleitet ich sie zum Treffen der SchriftfüherInnen, die den Ablauf der Bundespräsidentenwahl besprachen. Live dabei zu sein, trug auf jeden Fall mehr zum Verständnis der recht bürokratischen Prozedur bei als so manchen Sozialkundestunden in der Schule J . Besonders hitzig wurde der der Antrag der CDU, die Schriftführer mögen doch bitte alle „ordentlich“ und mit Krawatte erscheinen, diskutiert.
Am Abend trafen sich die „Schatten“ dann schließlich zum Kennenlernen mit Jonas und Ekin Deligöz, die das Shadowing möglich gemacht haben. Es wurde ein lustiger Abend zwischen arabischem Essen Prenzlberg und Fußball gucken im Mauerpark. Alexandra

DIENSTAG

AK-Sitzungen [&] Fraktionssitzung

Am nächsten Morgen, ganz früh um 6 ging dann der Wecker runter, weil Arbeitsgruppe (AG) Umwelt schon um 08:30 Uhr auf dem Plan stand, in der es um sehr viele interessante Themen ging. Anschließend hatte auch noch der AK 2 eine Sitzung. Es war schon interessant mitzubekommen, wie die MdBs und ReferentInnen miteinander reden und was in großer Runde so beschlossen wird. Danach machte ich mich wieder auf, den Reichstag und seine umgebenden Gebäude zu erkunden. (gab sooooo viel zu sehen)
Gegen 15:00 Uhr war dann im Turm Fraktionssitzung, zu der die Abgeordneten wohl nie Pünktlich erscheinen. Erstaunlich fand ich, dass sie 1,5 h über einen Zeitungsartikel diskutieren können. Ich vermute einfach, dass sie sich gerne selber beim Reden zuhören, sonst würden die nicht alle dass selbe sagen… Aber es war trotzdem cool die alle mal so nah zu sehen.
Eines ist mir auch noch aufgefallen: Die Mitarbeiter und Bundestagsabgeordneten der FDP und CDU/CSU tragen IMMER Anzüge, egal wie heiß es ist. Die von den Grünen tragen das, wozu sie Lust haben.

Stefan

MITTWOCH

Bundespräsidentenwahl

Um 12 Uhr fängt dann auch die Bundesversammlung an, die ich nebenbei im Fernsehen verfolge (übrigens im hauseigenen Sender – wusste ich vorher auch nicht, dass es sowas gibt). Nach der Begrüßung durch Norbert Lammert und einigen abgelehnten Anträgen von drei Mitgliedern der NPD, werden alle Namen der Wahlberechtigten vorgelesen. Wirklich alle! 1244 Namen!!! Als der Buchstabe „B“ anfängt, stelle ich den Ton aus.
Um 13:30 Uhr wird die Sitzung unterbrochen. Der erste Wahlgang ist beendet. Nach Auszählung der Stimmen steht fest – Wulff hat es nicht im 1. Wahlgang geschafft. Mit 600 Stimmen fehlen ihm 23 zur absoluten Mehrheit. Für Gauck stimmten 499, für Lukrezia Jochimsen 126, für Frank Rennicke drei. 13 Delegierte enthielten sich, eine Stimme war ungültig. Damit hatten, glaube ich, nicht wirklich viele gerechnet – schon ein kleiner Triumph für die Opposition, bzw. Teile von ihr.
Als kurze Unterbrechung besichtige ich mit Madeleine einige Räume im Paul-Löbe-Haus, um zu sehen, ob sie für eine geplante Veranstaltung passen. Im 2. Wahlgang sieht es ähnlich aus – wieder keine absolute Mehrheit für Wulff, aber immerhin 15 Stimmen mehr, und 9 Stimmen weniger für Gauck. Da absehbar ist, dass es noch ein Weilchen dauern wird, beschließe ich den letzten Durchgang zuhause vorm PC zu verfolgen.

Alex erzählte mir später, dass sie die Ergebnisbekanntgabe vor dem Reichstagsgebäude mit den anderen Schatten verfolgt hat. Da war quasi „Politic Public Viewing“ aufgebaut. Bei der Bekanntgabe von Wulff, hat die anwesende Menschenmenge gebuht, bei Gauck gejubelt. Was strahlte die ARD aus? Ergebnis Gauck – Stille, Ergebnis Wulff – Jubel + „Das Volk freut sich mit seinem neuen Präsidenten“. Soviel zur Beeinflussung der Bevölkerung durch die Medien. Allerdings hätte ich das von jedem anderen Sender, nur nicht von der ARD erwartet…

Anne

DONNERSTAG

Besuch der Plenardebatte [&] Stadtbummel durch Berlin

Das ist schon spannend, auf der Besuchertribüne zu sitzen und die Politiker mal live und in Farbe zu sehen. Vor allem die unterschiedlichen Redestile – und Talente, sind interessant. Von monoton, über unsicher bis mitreißend ist alles dabei gewesen. Anne

Und um halb drei durfte ich dann noch den Nordkoreanischen Botschafter an der Pforte abholen. Dieser hatte dann ein sehr interessantes Gespräch mit Hans-Josef, in dem es nicht nur Windräder gehen sollte… Leider darf ich dazu nicht mehr ausführen. Stefan

FREITAG

Freitag, 2.Juli, Raum 6554, Paul-Löbe-Haus:

Heute soll unser letzter Tag vom „Shadowing“ sein. In diesem riesen Raum mit einem wunderbaren Blick auf die Glaskuppel des Reichstags und extraweichen Chefsesseln lassen wir die Woche noch einmal Revue passieren.

Ich war für eine Woche Praktikantin im Büro Uwe Kekeritz und habe ihn die meiste Zeit zu Sitzungen/AKs/AGs begleitet oder nach Hintergrundinformationen im Büro recherchiert. Da „mein Politiker“ für Gesundheit in Entwicklungsländern zuständig ist, ging’s dementsprechend in den Sitzungen/AKs/AGs oft um die Millenniumsentwicklungsziele(MDGs), die 2000 von 189 Ländern der Welt beschlossen wurden, oder um Politikkohärenz im Interesse der Entwicklung. Für mich war es vor allem interessant, bei der Fraktionssitzung und bei einem Treffen mit der nigerianischen Delegation mit dabei zu sein. In der Fraktionssitzung ging es hauptsächlich darum, Anträge, die vorher von den verschiedenen Arbeitskreisen(AKs) ausgearbeitet wurden, abzustimmen und aktuelle Geschehnisse innerhalb der Fraktion zu diskutieren. Am Donnerstag war das Treffen mit der nigerianischen Delegation, bei der die Offiziellen sich Tipps für freie, faire und demokratische Wahlen holten. Linda

FAZIT
Das Shadowing war für uns alle eine tolle Erfahrung, für die wir uns bei „unseren“ Abgeordneten und den Büromitarbeitern für die herzliche Aufnahme bedanken wollen. Außerdem möchten wir uns bei Jonas, Ekin [&] Dimitra, sowie der GRÜNEN JUGEND Bayern für die Organisation dieser wunderschönen Woche in Berlin bedanken. Vielen, vielen Dank!

Linda Hong, Anne Burmeister, Alexandra Huber, Florian Wilsch, Stephan Clemens, Stefan Geiß, Joel Khalil Keilhauer und Daniel Wolff

 

Außerdem war ich von dem Leben in Berlin selbst sehr beeindruckt, weil hier alles viel lockerer ist als in Bayern (oder vllt. ist es auch nur auf dem Land so???). Auch die Offenheit und Herzlichkeit der Menschen dort fand ich sehr bewundernswert, denn denen ist egal, ob du nun Mann oder Frau, Weiß oder Schwarz, Christ oder Muslim, Hetero- oder Homosexuell bist. (Stefan Geiß)

 

Ich habe gelernt, dass viele Mitarbeiter hinter einem Politiker stehen, ohne dessen Arbeit es nicht möglich wäre und dass es viel Zeit, Nerven, etc. kostet, ein Mitglied des Bundestags zu sein. Man ist meistens der Erste, der das Büro betritt und der Letzte, der es verlässt. Ich weiß nicht, ob ich vier Jahre lang in der Woche fünf Tage von meiner Familie entfernt wohnen könnte. (Linda Hong)

 

Das Shadowing war für mich eine tolle Erfahrung, ich lernte nicht nur, was sich hinter den geheimnisvollen Buchstabenkombinationen FraSi, JKH und UdL verbirgt, sondern auch wie stressig ein Abgeordnentenleben ist und wie viele Mitarbeiter hinter einem stehen Den Hausausweis werden wir alle wohl schmerzlich vermissen, nachdem wir einmal in den Genuss gekommen waren, den Blick von der Kuppel auf das nächtliche Berlin ganz ohne Besucher genießen zu können. (Alexandra Huber)

Zusammenstellung von Alexandra Huber. Einzelartikel sind mit Namen gekennzeichnet