Offener Brief an Uwe Kekeritz, Bundestagsabgeordneter der bayerischen Grünen:

Lieber Uwe,

das kürzlich von deinem Auftritt veröffentlichte Video (https://youtu.be/SEUJ13Kr3js) und deine Aussagen im Rahmen der antizionistischen Veranstaltung „Das Schweigen in der Politik brechen“ auf dem evangelischen Kirchentag 2015 haben uns schockiert.

Du vergleichst die Mauer, die Israel und das Westjordanland trennt, mit der Mauer zwischen der BRD und der DDR. Diesen untragbaren Vergleich des demokratischen Rechtsstaates Israel und der DDR-Diktatur hast du bereits zurück genommen.

Weiter führst du aus, dass die Grünen Angst vor der Auseinandersetzung mit dem von dir als „Tabuthema Israel“ beschriebenen Diskurs hätten. Das trifft überhaupt nicht zu. Vielmehr sind wir froh, dass in großen Teilen der Partei antisemitische Stereotype, wie du sie verwendest, keine Chance haben und dass bei den Grünen verantwortungsbewusst mit der deutschen Geschichte umgegangen wird.
Allzu oft versteckt sich hinter so genannter „Israelkritik“ unverhohlener Antisemitismus. Eine Gleichsetzung der Politik Israels mit der Politik von Unrechtsstaaten oder die Darstellung der USA als „Marionette Israels“ kann nicht als Kritik bezeichnet werden, vielmehr schüren derartige Aussagen Ressentiments und haben nichts mit einer geschichtsbewussten und sachlichen Diskussion zu tun.
Ebenso spielt unserer Auffassung nach das Gerede von einem Einfluss einer „Schicht der Profiteure“ Verschwörungstheoretiker*innen und Antisemit*innen in die Hände. Da sind wir dann schon neugierig: Wen meinst du denn damit?

Wir solidarisieren uns nachdrücklich mit Israel und fordern dich auf, dich zu entschuldigen und deine Aussagen zurückzunehmen.
Von Grünen Bundestagsabgeordneten erwarten wir eine bedachtere und verantwortungsvollere Rolle in der Diskussion um Israel.

Liebe Grüße
der Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Bayern