Die Schüler der privaten Fachoberschule in Schweinfurt erlebten bei der Bekanntgabe ihrer Abiturergebnisse ein blaues Wunder. Alle 27 Schülerinnen und Schüler waren durchgefallen. Zwei von ihnen konnten im Nachgang durch mündliche Prüfungen ihre Ergebnisse so verbessern, dass sie nun doch bestanden haben. Die übrigen 25 bleiben aber vorerst auf der Strecke. Medienberichten zufolge war Kultusminister Spaenle schon Anfang des Jahres über Probleme an der privaten Fachoberschule informiert worden, sah aber keine Veranlassung, darauf zu reagieren.

Anna Schmidhuber, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern, meint: „Durch sein langes Zögern verpasste Kultusminister Spaenle die Chance, die Probleme frühzeitig anzugehen. Die nun auf ihm lastende Verantwortung versucht Spaenle nun an die Bezirksregierung abzuwälzen. Doch anstatt Verantwortlichkeiten hin und her zu schieben, wäre es jetzt vielmehr an der Zeit, sich um die Belange der Schülerinnen und Schüler zu kümmern und eine sinnvolle, gerechte Lösung zu finden. Der Vorschlag einer Wiederholung der letzten beiden Jahrgangsstufen, oder nach Aufnahmeprüfung der 12. Klasse, ist ein Affront gegen die betroffenen Schülerinnen und Schüler. Wir fordern eine Rückzahlung des Schulgeldes, die kostenlose Möglichkeit eines Ferienkurses, und das Angebot einer erneuten Abnahme des Abiturs im September.“

Korbinian Gall, Sprecher der Grünen Jugend Bayern, fügt ergänzend hinzu: „Allgemein gilt es für die bayerische Kultuspolitik jetzt aber auch, aus dem Debakel zu lernen. Das bayerische Bildungssystem versucht, alle Schülerinnen und Schüler in vorgefertigte Schablonen zu pressen und verkennt dabei die individuelle Vielfalt des Menschen. Das provoziert natürlich auch den Versuch, diese Lücken – mit Hilfe von Privatschulen – zu stopfen. Wozu das führen kann hat man ja gesehen. Für alle anderen bleibt das lückenhafte Regelschulsystem. Wir wollen ein ganzheitliches staatliches Bildungssystem, zu dem alle Schülerinnen und Schüler in Bayern unabhängig vom Geldbeutel der Eltern oder anderen Faktoren Zugang haben. Wir müssen wegkommen vom aktuell bestehenden Flickenteppich, den die CSU hin und wieder mal – und dann meist an den falschen Stellen – zusammen näht.“