Hof – Weltverbesserinnen sind Frauen, die zur Sprache bringen, was sie als falsch erkannt haben. So lautet jedenfalls die Definition der grünen Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg. Ihnen will sie dafür in Hof ein Podium bieten. Drei „starke Frauen“ hat die Abgeordnete in den Saal des Kreuzstein geholt, damit sie erzählen, wie es ist, wenn man sich ein- und mitmischt.

Denn Politik, so beklagt Scharfenberg, sei auch in Zeiten der ersten Bundeskanzlerin eine Männerdomäne. Die Frauenquote im Bundestag liege unter einem Drittel, lediglich bei den Bündnisgrünen sei sie mit 57 Prozent deutlich erhöht. Auch zwei ihrer Gesprächspartnerinnen, die Scharfenberg vor nur einer Handvoll Zuhörerinnen interviewt, haben bei den Grünen eine politische Heimat gefunden.

Swantje Fischer, angehende Hauptschullehrerin aus Lichtenfels, hat mit ihren 22 Jahren schon eine solide Karriere bis zur Sprecherin der Grünen Jugend Bayern gemacht. Doris Kienle, Sprecherin des Landesarbeitskreises Grüne Alte, ist dagegen eher eine Spätzünderin. Verdruss über SPD- und CSU-Männer hat die heute 66-jährige Allgäuerin zur Umweltpartei als Alternative gebracht.

Fischer engagiert sich für ein „gerechtes Bildungssystem und Klimaschutz“, Kienle im Kreistag für konkrete Projekte wie ein Frauenhaus. Bei beiden überlagert die politische Arbeit längst das Private. Die junge Grüne glaubt daran, mit ihrem Engagement etwas ändern zu können. Karriere allerdings möchte sie nicht machen: „Ich will Lehrerin sein, nicht Bundeskanzlerin.“ Die alte Grüne findet es dagegen erstaunlich, dass sie in einem mit Vorurteilen beladenen Umfeld einiges geschafft hat. Das Missionieren für ihre Ideen aber haben beide aufgegeben: „Das ist aussichtslos“, meint Doris Kienle. „Da kann man nicht glücklich werden.“

Nicht nur das, es kann sogar gefährlich werden. Die dritte im Bunde der starken Frauen, Karin Bernhart, hat dies hautnah erlebt. Sie ist Sprecherin des Bürgerforums Gräfenberg, einer Mini-Stadt, die zum monatlichen Aufmarsch-Gebiet der NPD geworden ist. Bernhart, im Internet und auf Flugblättern als Feindin gebrandmarkt, fühlt sich nicht nur von Neonazis bedroht. Zunehmend werde ihre Initiative von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz in die Zange genommen, sagt sie. Einschüchtern lassen aber will sie sich nicht: „Trotz des unappetitlichen Themas macht es auch Spaß.“

An Karin Bernhart wird am deutlichsten nachvollziehbar, was die Veranstaltungsrunde vermitteln will: Von einer Frau, die nie auffallen wollte, hat sie sich zu einer mutigen und starken gewandelt. An allen drei Lebenswegen wird noch etwas anderes ersichtlich. Ohne den Rückhalt von Mann, Kindern, Freunden, Hund wäre die Weltverbesserei nicht zu schaffen.

Quelle: Beate Franck
Online Presse, Montag, der 3.08.09, Frankenpost Hof