Eine strukturschwache Region in Franken, im Norden Bayerns, hat einen Wald mit alten Bäumen. Aber dass dort ein Nationalpark entsteht – unmöglich.

Die Nationale Biodiversitätsstrategie in Deutschland hat zum Ziel bis 2020 10% der staatlichen Waldfläche natürlichen Prozessen zu überlassen, d.h. ihn vollständig aus der Nutzung zu nehmen. Insgesamt soll das mit 5% der Waldflächen in ganz Deutschland passieren. Aber wie schwierig das sein kann zeigt eine kleine Geschichte aus einer Region in Franken, im Norden Bayerns: der Steigerwald.

Der Steigerwald umfasst 130.000 Hektar Wald, davon ist ein Großteil Staatsforst, der mit der Säkularisierung 1803 dem Freistaat Bayern zugefallen ist. In ihm stehen ein paar sehr alte Bäume, die ältesten sind 350 Jahre alt. Für Buchen, die hauptsächlich den Waldbestand ausmachen, ist das ein sehr hohes Alter. Für sie wird eine natürliches Lebensalter von bis zu 400 Jahren angenommen. Der Wald besteht aus verschiedenen Baumgenerationen, das heißt es sind sehr junge aber auch gerade diese alten Bäume vorhanden. Seit 1988 ist er Naturpark, was eine sehr weiche Form des Naturschutz ist und im Grunde nur einen Kahlschlag verbietet.

Ein Teil dieses Naturparks stößt schon seit einigen Jahren auf immer breiteres Interesse bei Naturschützer_innen. Dort ist ein hohes Maß an Biodiversität sowie eben diese alten Buchen, die früher für den Osten Deutschlands typisch gewesen sein sollen, vorzufinden sind. Der Teil des Gebietes umfasst 11.000 Hektar und hat das Potential mit einer Umwittmung zum Nationalpark zum Weltnaturerbe zu werden, aber auch einen wichtigen Teil zu der lokalen Biodiversität und Wasserversorgung sowie zur Bewahrung der regionaltypischer Natur für Nachkommende Generation beizutragen.
Das interessiert die Leute vor Ort natürlich ersteinmal wenig, denn erst kommt schließlich das Fressen und dann die Moral. Einige bezogen direkt nach dem ersten Vorstoß des Landrats Opposition und fürchteten gleich um ihren Zugang zum Wald. Schließlich kann in einem Nationalpark kein forstwirtschaftlicher Betrieb mehr statt finden. Also eigentlich noch nicht einmal Holz für den Eigenbedarf eingeschlagen werden.

Der Schutztyp Nationalpark ermöglicht oder wünscht sogar einen sanften Tourismus, in dem die Besucher_innen über die Eigenheiten es geschützten Gebiets kann. Eingriffe zur Erhaltung des Naturraum sind erlaubt.
Eigentlich wäre es also auch wirtschaftlich Ideal für eine wirtschaftliche- schwache Region wie dem Steigerwald, der sich wohl mehr durch Rentner_innen und eine JVA in einem schönen barocken Bau auszeichnet. Doch das nehmen Teile der lokalen Bevölkerung nicht hin. Ganz vorne mit dabei sind der Bauernverband Bayern und der Verband der Waldbesitzer Bayern, wenn es darum geht, die kleine Nationalparkfläche zu verhindern.

Groteske Szenen folgten. Unzählige Traktoren versperrten zum Beispiel an einem schönen Frühlingstag 2008 eine nicht sehr stark befahrene Landstraße um ihren Protest kundzutun und an mancher Gemeinde im Steigerwald wird mensch heute bei der Ortseinfahrt mit einem großen Schild „Nationalpark- Nein Danke!“ empfangen.

Heute wird versucht über einen Kompromiss einen Fortschritt im Naturschutz zu erzielen. Ein Buchenzentrum soll errichtet werden, auch wenn dann vielleicht nicht mehr so viele alte Buchen im Steigerwald stehen. Die sollen nämlich in den nächsten Jahren, um die Gewinne des Staatsforstbetriebs zu maximieren, verstärkt geschlagen werden. Dabei wäre es so wichtig gerade in den Industrieländern nicht nur Entwicklungs-und Schwellenländer für die Rodung ihres Regenwaldes zu verurteilen, sondern selbst einen Beitrag zu leisten, Verantwortung für die nachkommenden Generationen zu übernehmen und den Wald bei sich zu Hause unter strengen Schutz zu stellen.

von Freia Then
(zuerst veröffentlicht nter dem Titel „Waldschutz in Deutschland – Keine einfache Sache“ auf der Seite des Bundesverbandes: http://www.gruene-jugend.de/show/833199.html)