Seit wenigen Tagen ist es nicht mehr zu übersehen: Bayern wird von Papst Benedikt XVI. bereist. Religiöser Fanatismus und moralischer Zeigefinger reichen sich gegenseitig die Hände.

Die Begeisterung um den Papstbesuch zeigt offensichtlich, dass die scheinbar verstaubte Religiosität zurückgekehrt ist. Tausende Gläubige lauschen ergriffen den Worten des Kirchenoberhauptes. Umso wichtiger ist es, dass diese Worte Inhalte vermitteln, die moralisch begrüßenswert sind.

So ist es, aus der Sicht der Grünen Jugend Bayern durchaus erfreulich, dass sich Benedikt XVI. öffentlich gegen Gentechnik, Gewalt und Kriege, sowie Präsident Bush’s Außenpolitik ausspricht. Die christliche Religion soll als Religion der Liebe übermittelt werden.

Dennoch merkt Sabine Ponath, Sprecherin der Grünen Jugend Bayern an:
„Stumm verfolgen Millionen das Schauspiel der Papstreise über Radio, Fernsehen und Zeitung. Tausende wollen den Papst persönlich hören und sehen. Wo aber bleibt in dieser medialen Dauerberieselung die Kritik? In diesem Wolkenkuckucksland bleiben verschiedene Aspekte sowohl vom Papst, als auch von der Öffentlichkeit vollkommen unbetrachtet, als müsse man Unangenehmes für die strahlenden Tage unter den Teppich kehren…“

Die Grüne Jugend erinnert unter Anderem an die päpstliche Einstellung zu Abtreibung und Verhütung. „Stimmen die Gläubigen tatsächlich in diesen prekären Themen mit dem Vatikan überein? Wenn die Worte eines Einzelnen einer einzelnen Führungsperson tatsächlich so unreflektiert übernommen werden, befinden wir uns in einer ernsthaften Krise,“ meint auch Matthias Fleischer, Sprecher der junggrünen Organisation.

Abgesehen davon ist es aus Sicht der Grünen Jugend Bayern absolut nicht vertretbar, dass das religiöse Großereignis in dem ausschweifenden Maße in den Medien gezeigt wird. „Natürlich ist es verständlich, dass die Menschen den Papstbesuch verfolgen wollen. Doch alles hat seine Grenzen. Oder kann sich jemand erinnern, dass jemals ein vergleichbarer Aufwand um einen anderen Glaubensführer betrieben wurde?“ fügt Sabine Ponath hinzu.

Dass der Papst Bayern bereist mag begeisternd für die vielen ChristInnen sein. Doch die Medien machen aus dem Besuch einen großen Rummel, der die Schattenseiten der päpstlichen Macht schlicht verschweigt. Die vielen BayerInnen sollten sich nicht zu sehr in die Sache hineinsteigern, sondern auch nachhaken. „Die Trennung von Staat und Kirche ist derzeit in Bayern faktisch aufgehoben, was vor allem die Menschen zu spüren bekommen, die sich trauen öffentlich Kritik zu üben.“ ergänzt Matthias Fleicher. „Für Nächstenliebe braucht man weder Papst noch christlich-dogmatische Indoktrinierung, sondern vor allem gesunden Menschenverstand.“